Für die endgültige Abschaffung des Lehrens. Eine Polemik

„Pädagogische Berufe und deren Ausbilder, aber auch Bildungspolitiker und Bildungsmanager sind bis heute der Ansicht, das ‚Lehren‘ sei die ureigene Aufgabe von Schule (und Universität, Einfügung JG) Damit stellen sie zwischen die Lernprozesse junger Menschen in denen die sich die Welt erschließen könnten, und dem, was sie (die Pädagogen) als Bildung bezeichnen, einen scheinbar unverzichtbaren Apparat an Didaktik und Struktur. Auf diesen Apparat müssen sich lernwillige Menschen erst einmal ganz grundsätzlich einstellen. ‚Einfach so mal lernen‘, das ist nicht vorgesehen im System Schule. Das Meiste und das Schönste am Lernen geht deshalb in dem Moment bachab, wenn Menschen zur Schule kommen.“

Den ganzen Artikel von Christoph Schmitt, Schweiz, kann man hier nachlesen.

Noch ein Schmankerl: „Es geht nie darum, ‚die Mathematik zu begreifen‘ sondern den Mathematikunterricht und den Mathematiklehrer. Wie gut das einem lernenden Menschen gelingt, das wirkt sich dann direkt auf seine oder ihre Schulkarriere aus, und damit auf ganz viele zentrale Aspekte seines und ihres zukünftigen Lebens.“

Gerne kann man dann in diesem Blog noch weiter stöbern. Mehr über den Autor findet sich hier

Kein Bann

Veröffentlicht: 2017-04-30 10:51:23

Bevor er Nobelpreisträger wurde und die ganze europäische Hautevolee der Physik um sich versammelte, musste der dänische Physiker Niels Bohr an der Kopenhagener Universität eine Aufgabe lösen.

Er präsentierte dort eine Lösung, die in die Geschichte einging. Der Prüfer fragte den Studenten: „Beschreiben Sie bitte, wie man die Höhe eines Wolkenkratzers mit Hilfe eines Barometers feststellen kann.“ Darauf antwortete Bohr: „Sie befestigen ein langes Stück Schnur am Rand des Barometers und lassen das Barometer dann vom Dach des Wolkenkratzers zum Boden hinunter. Die Länge der Schnur plus die Höhe des Barometers entspricht der Höhe des Gebäudes.“ Der Professor und sein Beisitzer waren entrüstet und ließen Bohr durch die Prüfung fallen. Dieser beschwerte sich, denn seine Antwort sei ja richtig gewesen. Der Beschwerde wurde stattgegeben, allerdings mit der Einschränkung, dass seine Antwort sich nicht dazu eignete, sein physikalisches Wissen unter Beweis zu stellen. Also wurde ihm die Frage erneut vorgelegt, und Bohr brütete, solange es die Zeit zuließ. Er hob den Kopf und sagte, dass er auf verschiedene Lösungen gekommen sei und er natürlich nicht wissen könne, welche der Lösungen nun von ihm erwartet würden.

Die Ungeduld wuchs, und so legte er schließlich los: Man könne das Barometer vom Dach des Hochhauses werfen und die Zeit stoppen, bis es auf dem Grund aufschlägt. Nach der Beschleunigungsformel h = 1/2 * g * t2 bekomme man die Höhe, habe dann allerdings das Barometer geopfert. Bei Sonnenschein könne man aber auch die Höhe des Barometers und dessen Schatten messen, um dann den Schattenwurf des Hochhauses abzuschreiten. Über den Strahlensatz komme man zur gesuchten Hochhaushöhe. Bohr setzte fort: Wissenschaftlicher aber sei es, das Barometer an einer Schnur vom Dach zum Grund pendeln zu lassen. Die Höhe folge der Formel der gravitationalen Wiederherstellungskraft: T = 2pi2. Und Bohr trieb es noch weiter: „Sicher hat das Gebäude eine Feuertreppe an der Fassade. Da könnte man das Barometer wie einen Zollstock jeweils abtragen.“

Erst ganz zum Schluss lieferte Bohr, was die Prüfer hören wollten: „Die langweiligste, die orthodoxe Lösung wäre, mit dem Barometer den Luftdruck auf dem Dach des Wolkenkratzers und auf dem Boden zu messen und aus dem Unterschied die Höhe des Gebäudes abzuleiten.“ Und damit war Niels Bohr nicht fertig: Er würde eine andere Lösung vorziehen, denn man solle ja seinen verstand benutzen und den einfachsten Weg wählen. Folglich würde er beim Hausmeister nach der Höhe des Gebäuses fragen und ihm zum Dank das Barometer schenken,

Auf sechsfache Weise findet Bohr die Lösung und zeigt damit, dass es nicht die einsame Methode gibt, die zum Ziel führt, sondern dass es gerade die Vielfalt, der ganze Blumenstrauß aus Möglichkeiten ist, der auf verschiedenen Wegen zum Ziel führt. So entsteht ein Wissensgebäude, dessen Wände sich gegenseitig stützen und nicht alles auf einer einzigen Säule ruht. Goethe hätte übrigens auch den dänischen Prüfern, die nur die eine Barometerlösung hören wollten, widersprochen: „Man lege sich als Naturforscher keinen Bann auf!“, betonte er und ermutigte uns dazu, ‚mannigfaltige‘ Wege zu beschreiten.

Wer sich nur an eine Art zu fragen, zu suchen, zu verstehen zulassen will, wird früher oder später auf ein Phänomen treffen, das er mit seiner Art zu forschen nicht verstehen – ja, vielleicht ger nicht bemerken wird. Doch je vielfältiger und bunter die Arten sind, in denen man die Rätsel der Welt zu verstehen bereit ist, umso vielfältiger und bunter kann sie erscheinen.

Autor: Wolfgang Held
Veröffentlicht in a tempo 04/2017 S. 10, die welt wahrnehmen
Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Held.
Zusatz in a tempo: Wolfgang Held studierte Pädagogik und Mathematik. Er ist Beauftragter für Kommunikation am Goetheanum, verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift ‚Das Goetheanum‘ und Autor zahlreicher Bücher. Im März erschien sein aktuelles Buch: ‚So kommt das Neue in die Welt‘ [ISBN 978-3-7725-2876-7]

BERLIN REBEL HIGH SCHOOL

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser neuer Kino-Dokumentarfilm BERLIN REBEL HIGH SCHOOL wird am 11. Mai bundesweit im Kino starten.

Er handelt von einem einzigartigen Schulprojekt: Ein Gymnasium, das von seinen eigenen Schülerinnen und Schülern verwaltet wird. Ohne Noten, ohne Leistungsdruck und Zwang organisieren sie ihre Schule selbst – und das erfolgreich, seit über 40 Jahren.

Der Film ist als bester Dokumentarfilm für den Deutschen Filmpreis 2017 nominiert und erhielt das Prädikat „besonders wertvoll“ von der Filmbewertungsstelle Wiesbaden.

BERLIN REBEL HIGH SCHOOL eignet sich sehr gut als Diskussionsgrundlage über unser Schulsystem und bietet den Schüler*innen eine wichtige Möglichkeit ihren Schulalltag zu reflektieren.

Darüber hinaus gibt der Film einen spannenden Einblick in das Leben dreier ehemaliger Schulabbrecher und zeigt, wie viel Potential in jedem einzelnen Menschen steckt, wenn das schulische Umfeld stimmt.

Auch für Lehramtsstudierende und Lehrer*innen eignet sich BERLIN REBEL HIGH SCHOOL als Anschauungsobjekt. Aus diesem Grund würden wir uns freuen, wenn Sie den Film schon im Vorfeld in Ihren Verteiler nehmen und bekannt machen.

Herzliche Grüße,

Alexander Kleider
(Regisseur)

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Jahrestagung der Jenaplanpädagogik

Am 24. 3.und 25. 3. 2017 findet in Gießen die Jahrestagung der Gesellschaft für Jenaplanpädagogik zu dem Thema: Ganztagsschule für Kinder und Jugendliche weiterentwickeln statt. Anmeldeschluss ist der 13. März 2017 (!Termin geändert!). Tagungsort ist die Sophie-Scholl-Schule Gießen Sekundarstufe, Rödgener Straße 72, 35394 Gießen. Teilnahmegebühren für die Jahrestagung der Gesellschaft für Jenaplanpädagogik beträgt 35,00 € für Mitglieder und 45,00 € für Nicht-Mitglieder, inkl. Abendessen und Pausengetränke. Die Teilnahmegebühr wird vor Ort entrichtet. Die Anmeldung per Post bitte an: Sophie-Scholl-Schule Gießen z.H. Frau Kraus, Rödgener Straße 72, 35394 Gießen, per Fax: 0641 4801077-104 oder per E-Mail: m.kraus@sophie-scholl-schule-giessen.de Eine Hotelliste und aktuelle Informationen findet sich unter: www.jenaplan.eu/tagung2017.html Der Flyer zur Tagung steht hier zum Download https://wef-wee.net/de/download/jpt_2017.pdf zur Verfügung.

Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik

Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik
Der Beginn eines notwendigen Dialogs
Herausgegeben von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich – 1990

Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik

Der Beginn eines notwendigen Dialog – Herausgegeben von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich

Michael Brater hat schon 2013 in seinem Beitrag darauf aufmerksam gemacht, dass der ‚Beginn eines notwendigen Dialogs‘ über die Waldorfpädagogik – angestoßen von Fritz Bohnsack (Prof. em. Uni Essen) und Ernst-Michael Kranich – in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion trotz vereinzelter Versuche einer gegenseitigen Annäherung (z. B. Bauer & Schneider, 2005; Bohnsack und Kranich, 1990; Paschen, 2010) bis dato so gut wie keine Rolle spielt.

Im Sommersemester 1986 fand an der Hochschule der Künste in Berlin (West) eine Ringvorlesung statt. Titel war ‚Pro und Contra der Waldorfpädagogik – Akademische Pädagogik in der Auseinandersetzung mit der Rudolf-Steiner-Pädagogik‘ – als Buch erschienen 1987, herausgegeben von Otto Hansmann. (Eine ‚Rezension‘ bei einem großen Online-Buchverkauf macht ihrer Enttäuschung darüber Luft, dass es kein leicht lesbares Buch zur Waldorfpädagogik sei, Es sei vielmehr ein Konferenzband zu einer Ringvorlesung.)

Fritz Bohnsack stellt fest: „Die Waldorfschule hat eine 70-jährige Geschichte und Bewährung hinter sich. Sie ist heute gefragter denn je zuvor, was die – vom Elternwunsch diktierte – schnelle Folge der Neugründungen erklärt. Sie bietet Alternativen zur Regelschule, die sie für viele Eltern (…) attraktiv machen. Daran sind nicht nur die von vielen Kritikern seit langem beklagten, aber offenbar schwer zu korrigierenden, Mängel der Regelschule schuld: es sind positive pädagogische Qualitäten der Waldorfschule, die aufgeklärte Nicht-Anthroposophen bewegen, ihre Kinder dieser Schule anzuvertrauen (Bohnsack, in Bohnsack und Kranich, 1990, S. 41).

Harm Paschen (Prof. em. Uni Bielefeld) vertritt die Auffassung, dass die Waldorfschule auf Grund ihrer langen Erfahrung in Lehre und Forschung angemessen berücksichtigt werden müsste. Sie sei ein aktuelles Beispiel für eine heute gelebte ’spirituell vertiefte Pädagogik‘. Sie müsste als eine Herausforderung für die wissenschaftliche Pädagogik gelten, insbesondere in Bezug auf die Sozialgestalt von pädagogischen Institutionen wie Schule oder Universität, die Vorstellungen des Verhältnisses von Theorie und Praxis und die geistige Orientierung von Entwicklung, Bildung, Didaktik und Methodik und müsste als Anregung verstanden werden, zu deren Wahrnehmung und Erforschung angemessene Methoden zu entwickeln. (Vgl. Harm Paschen in Bohnsack/Kranich 1990, S. 60)

Der Band von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich ist das Ergebnis eines mehrjährigen Gedanken- und Erfahrungsaustausches von ’namhaften Erziehungswissenschaftlern‘ und Waldorfpädagogen. Man wollte sich besser verstehen lernen und auf diese Weise staatliche Regelschulen und Waldorfschulen durch konstruktive Kritik in ihrer Schulentwicklung zu fördern.
Gleichzeitig hatte man die gemeinsame Sorge, dass die Kritik an der immer populärer werdenden Waldorfschule immer schärfer wurde und teilweise unsachliche und denunziatorische Züge annahm. (Bohnsack/Kranich 3. Auflage 1994, S. 7)

Es entstanden aus der Initiative von Fritz Bohnsack die Veröffentlichungen von

Horst Ph. Bauer (Herausgeber) und Peter Schneider (Herausgeber) 2005:
Kulturwissenschaftliche Beiträge der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft: Waldorfpädagogik: Perspektiven eines wissenschaftlichen Dialoges Weinheim

und von

Harm Paschen (Herausgeber) 2010
Erziehungswissenschaftliche Zugänge zur Waldorfpädagogik
Heidelberg

Neue Lernkultur? Antwort an Karl-Heinz Dammer

Antwort zu dem Interview mit Professor Karl-Heinz Dammer in der Wirtschaftswoche vom 28.9.2016: Pädagoge über ‚Neue Lernkultur‘ – An Schulen herrscht ein problematisches Weltbild
Interview in der Wirschaftswoche

Veröffentlicht: 2016-10-03 23:43:01

Karl-Heinz Dammer, Professor für Allgemeine Pädagogik an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, unterliegt einem grundlegendem Missverständnis in Bezug auf die Reformpädagogik: „Reformpädagogische Methoden sind aber nicht an sich gut, sondern abhängig davon, in welchem fachlichen Kontext und mit welchen Schülern sie zu welchem Zweck angewandt werden.“ (im Interview) Reformpädagogische Methoden sind kein Sammelsurium von Methoden, die in einem fachlichen Kontext auf einzelne Schüler angewendet werden, sondern Reformpädagogik stellt den Schüler konsequent in den Mittelpunkt des Lernens. Die Methoden, die Freinet, Neill, Geheeb und andere entwickelten, hatten nicht die Aufgabe den Schülern den vorgegebenen Stoff möglichst optimal zu vermitteln. Vielmehr standen die SchülerInnen und ihre Lerninteressen im Vordergrund und die Methoden waren dazu da, dass SchülerInnen ihre Lerninteressen erfolgreich verwirklichen konnten. Sie waren nicht Instrument der LehrerIn sondern Werkzeug für die SchülerInnen.

Karl-Heinz Dammer stellt die reformpädagogische Lernkultur auf den Kopf.

In der Reformpädagogik erarbeitet nicht die Lehrkraft ‚möglichst differenzierte Unterrichtsmaterialien, die sich an den individuellen Lernständen und Fähigkeiten der Schüler orientieren sollen, so dass diese sie in einer vereinbarten Zeit selbstständig bearbeiten können.‘ (Dammers im Interview) Eine solche ‚Selbständigkeit‘ ist eine Farce, denn die Schülerinnen dürfen selbständig das lernen, was die LehrInnen an Aufgaben für sie bereitstellen. Das ist Dressur, kein selbständiges Lernen. In der Reformpädagogik ging es um die Freiheit der SchülerInnen das zu Lernen, was ihnen wichtig war. Es ging nicht darum, dass sie tun konnten, was sie wollte. Sondern darum das sie wollten was sie tun! (Gaudig) Die LehrerIn hilft den SchülerInnen dabei, das was diese lernen wollen auch in ihrem Sinn erfolgreich zu lernen. Die SchülerInnen lernen nicht das was ihnen die LehrerInnen vorgeben, sondern gehen in der Schule ihren Lerninteressen nach und erarbeiten sich so ein Bild von der Welt in der sie leben werden. Der Maßstab ist nicht, dass sie das lernen, was sie lernen sollen. Das ist nur Reproduktion des vorhandenen Wissens.

Was Falko Peschel in seiner Dissertation vorstellt – und was in Schulen die nach diesen Konzept des Offenen Unterrichts (offener-unterricht.net) arbeiten, sind wirklich das, was die Überschrift des Interviews als ‚Neue Lernkultur‘ bezeichnet. Das was Karl-Heinz Demmer vorstellt ist ‚alter Wein in neuen Schläuchen‘. Wie bei vielen in der Pädagogik bleibt bei ihm unangetastet, dass die LehrerInnen bestimmt, was gelernt wird und die SchülerInnen müssen das nun selbstbestimmt lernen. Immer noch ist der Kerngedanke der Reformpädagogik, das Kind und sein Lernen in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen nicht angekommen. Immer noch nutzt die ‚moderne Schule‘ nicht die Faszination das Lernen zu dürfen was für einen wichtig ist. Statt dessen besteht sie verbissen darauf, das der Lehrplan das A und O der Schule ist. Dabei zeigt Falko Peschel und die anderen Schulen, in denen SchülerInnen das lernen dürfen, was ihnen wichtig ist, dass diese SchülerInnen nicht – wie immer behauptet ’nichts‘ lernen – sondern dass sie einen gewaltigen Lernvorsprung vor traditionell lernenden SchülerInnen haben.

Es ist eben der Unterschied zwischen etwas lernen sollen, von dem andere meinen, es sei wichtig und etwas lernen, was eine SchülerIn interessiert, von dem sie meint, es sei wichtig für sie. Und das Lernen braucht gar nicht gelernt zu werden, das tun die Kinder schon bevor sie auf die Welt kommen, im Mutterleib. Manfred Spitzer (Lehrstuhl für Psychiatrie der Universität Ulm) hat den Satz gesagt: „Das Gehirn ist von der Evolution auf Lernen optimiert und tut nichts lieber und kann nichts besser.“ Wenn es also in der Schule mit dem Lernen hapert, dann nicht weil die Kinder das Lernen noch nicht gelernt haben, sondern weil der Ansatz von Schule, das Lernen zu bestimmen, grundfalsch ist. Lernen funktioniert nicht nach Stundenplan und nicht in Lernhäppchen im Stundentakt.

Eine Schülerin der Grundschule Harmonie in Eitorf bei Köln formulierte das so: „Man kann zum Beispiel sagen: ‚Ich mach jetzt eine Seite Mathe‘ und man kann auch mittendrin die Arbeit wechseln – ohne jemand etwas zu sagen!“

Ein gutes Beispiel für das reformpädagogische Motto, das Kind in den Mittelpunkt seines eigenen Lernens zu stellen. Eine Schule so zu organisieren, dass solche Interessenwechsel möglich sind. Eine Organisationsform zu finden, die das aushält – nicht nur als Ausnahmefall sondern als Regelfall. So, dass selbstbestimmtes Lernen wirklich ein von den SchülerInnen selbst bestimmtes Lernen ist.

Die Aufgabe von Schule ist nicht notwendig belehren, bewerten, Lernen im Gleichschritt zu organisieren. Aufgabe von Schule kann auch ganz anders sein: Kinder bei selbstgewählten (nicht selbst ausgewählten) Lernarbeiten zu unterstützen, ohne diese selbstgewählten Lernarbeiten noch mit dem und jenem was der LehrerIn wichtig erscheint und was vom Lehrplan her ganz gut dazu passen würde, zu bereichern (?).

„Lernschwächere und lernstärkere Kinder“ sind eine Erfindung der Schule. Es bedeutet, dass Kinder einen vorgegebenen Lehrstoff schneller oder langsamer lernen, also als lernstärker oder lernschwächer gelten. Wenn diese Messlatte beiseite gelegt wird, braucht auch kein Kind mehr das Etikett: lernschwach oder lernstark. Jedes Kind lernt eben so gut es kann und möchte. Sicher wird es auch dann Unterschiede geben – aber eben nicht mehr auf einen Maßstab bezogen der am Klassendurchschnitt orientiert ist, sondern auf das individuelle Lernen des Kindes.