{"id":204,"date":"2017-03-15T08:05:14","date_gmt":"2017-03-15T07:05:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/?p=204"},"modified":"2017-03-14T07:51:54","modified_gmt":"2017-03-14T06:51:54","slug":"erich-weniger-ein-militaerpaedagoge-als-praesident-des-weltbundes-eine-kritische-sichtweise-von-hein-retter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/2017\/03\/15\/erich-weniger-ein-militaerpaedagoge-als-praesident-des-weltbundes-eine-kritische-sichtweise-von-hein-retter\/","title":{"rendered":"Hein Retter und Erich Weniger &#8211; die Sichtweise des Weltbundes"},"content":{"rendered":"<p>Hein Retter &#8211; Jahrgang 1933 &#8211; ist kein &#8218;verbiesterter Schreiberling&#8216;, der Erich Weniger am Zeug flicken will. Auch wenn er selbst eingesteht, dass er der Tradition der &#8217;schwarzen Betrachtungsweise&#8216; gefolgt ist, muss man klar sehen, dass Erich Weniger in seinen S\u00e4tzen Auffassungen formuliert hat, die ihm wirklich nicht zur Ehre gereichen. (Retter, Hein (1988): Einige Reflexionen zum Thema &#8222;Erich Weniger und die Milit\u00e4rp\u00e4dagogik&#8220;  Zitate und Statements nach Durchsicht der Tagungsunterlagen zum Erich-Weniger-Symposium 28.-30.10.88 in Gifhorn)<\/p>\n<p>Im Forschungsbericht von Benjamin Ortmeyer der Johan Wolfgang Goethe Universit\u00e4t in Frankfurt von 2008 wird der Befund von Hein Retter von 1988 erweitert und best\u00e4tigt. (Ortmeyer, Benjamin (2008) Erich Weniger und die NS-Zeit, Forschungsbericht der Johann Wolfgang Goethe-Universit\u00e4t, Frankfurt\/M.)<\/p>\n<p>Erich Weniger ist von 1931 &#8211; 1933 in der konstituierenden Sitzung 1931 Weltbundes f\u00fcr Erneuerung in der Erziehung (WEE), der deutschen Sektion des World Education Fellowship (WEF), als Vorsitzender etabliert worden. Weitere Mitglieder im Vorstand wurden Carl Heinrich Becker (Berlin, preussischer Kulturminister Minister a. D.), Julius Gebhard (Hamburg Erziehungswisenschaftler (Honorarprofessor), Robert Ulich (Dresden), Leo Weismantel (Markbreit\/M.).<\/p>\n<p>War unbekannt, dass Erich Weniger &#8222;dass er 1919\/20 (in der Reichswehr, Einf\u00fcbung JG) &#8218;im Stabe Noske&#8216; als &#8218;Propagandaoffizier&#8216; eingesetzt war.&#8220; (Ebenda, Fu\u00dfnote Nr. 8 Seite 9) Diese Information stammt aus der Entnazifizierungsakte &#8211; stand also in dieser Form erst nach dem 2. Weltkrieg zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Hat man nicht wahrgenommen, dass Erich Weniger in seiner Dissertation (1921) \u00fcber &#8218;Rehberg und Stein&#8216; \u00fcber die &#8218;Bedeutung der Macht im politischen Leben&#8216; (Weniger: Rehberg und Stein, 1921, S. 22) und die realpolitischen Ans\u00e4tze des Freiherrn vom Stein, der zwar die Franz\u00f6sischen Revolution ablehnt, aber Teile der Ideen z. B. etwa Heeresreform f\u00fcr Preu\u00dfen \u00fcbernommen habe, geschrieben hat? Die biographischen Hintergr\u00fcnde der Freundschaft und Entfremdung zwischen August Wilhelm Rehberg und dem Freiherrn vom Stein werden auf dem Hintergrund diskutiert, einerseits an \u201ealte deutsche Verh\u00e4ltnisse\u201c anzukn\u00fcpfen (Weniger: Rehberg und Stein, 1921, S. 21), Ortmeyer sch\u00e4tzt die Wirkungsgeschichte dieser Detail-Studie als eher gering ein, da nur ein kurzer Auszug einem breiten Publikum zug\u00e4nglich gemacht wurde. Weniger selbst kommt vor allem in seinen milit\u00e4rp\u00e4dagogischen Schriften mehrfach auf den Freiherrn vom Stein als Milit\u00e4rreformer zur\u00fcck. Die Schriften entstanden auch erst nach seiner Zeit als Pr\u00e4sident beim Weltbund.<\/p>\n<p>Wie hat man in seiner Habilitation &#8222;Die Grundlagen des Geschichtsunterrichts&#8220; im Jahr 1926 die von ihm dargelegte Auffassung verstanden, die das Verh\u00e4ltnis welches Kindern zur Geschichte haben und haben k\u00f6nnen diskutieren. Bei der Auswahl des Stoffs postulierte er den Vorrang des politischen Geschehens vor der kulturellen Geschichte. Er vertrat die Auffassung, es sei das &#8222;Recht der Geschichte (&#8230;) ein nationales Bildungsmittel zu werden&#8220; (Weniger, Grundlagen, 1926, S. 6). Geschichte steht also im Dienst der Politik und rechtfertigt ihre aktuellen Ziele. Welches Verh\u00e4ltnis sollen Kinder zu so einer geklitterten Geschichte entwickeln?<\/p>\n<p>1952 erschienen ein Sammelband &#8222;Die Eigenst\u00e4ndigkeit der Erziehung&#8220;, mit 42 Aufs\u00e4tzen, vor allem aus der Zeit der Weimarer Republik &#8211; nur ein Aufsatz ist von 1935: &#8222;Der p\u00e4dagogische Streit und die Wirklichkeit der Erziehung&#8220; (Weniger, Erich: Die Eigenst\u00e4ndigkeit der Erziehung in Theorie und Praxis. Probleme der akademischen Lehrerbildung, Weinheim ohne Jahr. Diese Aufs\u00e4tze waren auch schon 1931 zug\u00e4nglich. Ob sie und wenn ja welche Erkenntnisse f\u00fcr die Einstellung Erich Wenigers bringen k\u00f6nnten, werden weder von Hein Retter noch im Forschungsbericht erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Der Kreis um Hermann Nohl hat, folgt man Heinz-Elmar Tenorth, den Begriff Reformp\u00e4dagogik und die Beschreibung p\u00e4dagogische Bewegung entscheidend gepr\u00e4gt &#8211; zumindest finden sie sich in den Ver\u00f6ffentlichungen aus diesem Zirkel. Bis 1914 waren diese Begriffe weitgehend unbekannt. (Heinz-Elmar Tenorth, Reformp\u00e4dagogik &#8211; Erneuter Versuch, ein erstaunliches Ph\u00e4nomen zu verstehen Antrittsvorlesung. 30. November 1992, Humboldt-Universit\u00e4t Berlin, S. 11) <\/p>\n<p>Es ist daher verst\u00e4ndlich, dass Erich Weniger von 1931 &#8211; 1933 in der konstituierenden Sitzung 1931 Weltbundes f\u00fcr Erneuerung in der Erziehung (WEE), der deutschen Sektion des World Education Fellowship (WEF), Vorsitzender wurde. Auch die weiteren Mitglieder im Vorstand waren aktiv in die Reformp\u00e4dagogik verwickelt.<\/p>\n<p>Es l\u00e4sst sich erkennen, dass alle Mitglieder das Interesse des Kreises um Herman Nohl &#8211; ihn eingeschlossen &#8211; teilten: die vielf\u00e4ltigen Ver\u00e4nderungen im schulischen Bereich sollten als &#8218;Reformp\u00e4dagogik&#8216;, als &#8218;Neue P\u00e4dagogik&#8216; wahrgenommen werden, die sich von der &#8218;Alten P\u00e4dagogik&#8216; &#8211; der des Kaiserreiches &#8211; deutlich absetzte.<\/p>\n<p>Ob damals schon zu erkennen war, dass Erich Weniger auch noch andere, den Zielen des Weltbundes widersprechende Interessen hatte, die Milit\u00e4rp\u00e4dagogik, ist nicht bekannt. Zu dem Urteil: &#8222;Erich Weniger begr\u00fc\u00dfte \u2013 ohne dass er NSDAP-Mitglied war \u2013 vor allem auf der Basis eines deutschen Nationalismus und Militarismus trotz dieses oder jenes Vorbehalts begeistert das NS-Regime und stellte seine Konzeptionen in seinen Dienst.&#8220; (Ortmeyer, Benjamin (2008), S. 7) kam ja erst der Forschungsbericht von 2008.<\/p>\n<p>Hein Retter formuliert es so: <\/p>\n<p>&#8222;An die Stelle der &#8218;Milit\u00e4rs&#8216; setzt Weniger das &#8218;Soldatentum&#8216;, das durch den Krieg und das Erleben des Krieges geformt wird. So gesehen wird man Weniger besser gerecht, wenn man statt von Milit\u00e4rp\u00e4dagogik von Kriegsp\u00e4dagogik spricht: <\/p>\n<p>Fronterlebnis<br \/>\n&#8218;Es war doch sch\u00f6n und es soll nicht umsonst gewesen sein&#8230;&#8216; (Weniger, 1920)&#8220;<\/p>\n<p>Wer den ganzen Beitrag von Hein Retter lesen m\u00f6chte, kann ihn <a href=\"https:\/\/www.tu-braunschweig.de\/allg-paed\/personal\/ehemalige\/hretter#vortraege\" target=\"_blank\">Erich Weniger als Milit\u00e4rp\u00e4dagoge<\/a> von der Seite der TU Braunschweig >> Punkt 3: Reformp\u00e4dagogik, Diktatur, Demokratie als PDF herunterladen.<\/p>\n<p>Die Fellowship bzw. der Weltbund wollte einen weiteren Krieg verhindern, und hatte sich dezidiert einer demokratischen Erziehung verschrieben. <\/p>\n<p>Der eklatante Widerspruch zwischen dieser Bewertung und einem entsetzlichen Krieg mit (gesch\u00e4tzt) bis zu 40 Mio. Toten weltweit, mit den verst\u00f6renden Erfahrungen wie dem Gaskrieg, bei dem ca. 112.000 t Giftgas eingesetzt wurden und  bei dem z.B. beim Einsatz von Senfgas durchaus ins Kalk\u00fcl gezogen wurde, dass pflegeaufw\u00e4ndige Schwerverletzte die Gegenseite mehr belasten als Tote. Oder dem Grabenkrieg mit an dauerhaften und befestigten Frontlinien, an denen Millionen von Soldaten in einen sinnlosen Kampf verstrickt waren, nur um unter ungeheuerlichen Verlusten winzige Gel\u00e4ndegewinne zu erzielen, dem Luftkrieg bei dem &#8218;Bomber&#8216; erstmals eingesetzt wurden, dem Seekrieg, mit der gr\u00f6\u00dften Seeschlacht der Weltgeschichte mit sinnlosen Opfern ohne eine Entscheidung herbeizuf\u00fchren. Mit neuartigen Waffen wie der Maschinenpistole, die auch &#8218;Grabenfeger&#8216; genannt wurde oder Panzern  &#8230;<\/p>\n<p>Die deutsche Sektion der World Education Fellowship, des Weltbundes f\u00fcr Erneuerung der Erziehung wurde 1931 neu gegr\u00fcndet.  Die Initiatoren waren Elisabeth Rotten und Karl Wilker. Der Weltbund angetreten, um durch die Erziehung V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung zu erreichen, eine &#8218;Bef\u00e4higung zum Frieden&#8216; zu erreichen.<\/p>\n<p>Im ersten Heft der Zeitschrift: &#8218;Die Internationale Erziehung&#8216; Januar 1920 wurden Botschaften abgedruckt, hier ein Auszug:<\/p>\n<p>Johann Gottfried Herder wurde im ersten Beitrag von Elisabeth Rotten zitiert:<\/p>\n<p>&#8222;Das G\u00f6ttliche in unserm Geschlecht ist Bildung zur Humanit\u00e4t &#8230;, sie ist der Schatz und die Ausbeute aIIer menschlichen Bem\u00fchungen, gleichsam die Kunst unsres Geschlechts. Die Bildung zu ihr ist ein Werk, das unabl\u00e4ssig fortgesetzt werden mu\u00df; oder wir sinken, h\u00f6here und niedre St\u00e4nde, zur rohen Tierheit, zur Brutalit\u00e4t zur\u00fcck.&#8220; (Briefe zur Bef\u00f6rderung der Humanit\u00e4t. 24 Brief)<\/p>\n<p>1919 schrieb G. Lowes Dickinson, Professor am King&#8217;s College, Cambridge (England):<\/p>\n<p>&#8222;F\u00fcr den Plan Ihrer &#8218;Internationalen Erziehungsrundschau&#8216; habe ich die w\u00e4rmste Sympathie, wie sie jeder haben mu\u00df, der der \u00dcberzeugung ist, da\u00df die Welt vor der Wahl, zwischen endg\u00fcltiger Zerst\u00f6rung oder Wahrung und Weiterf\u00fchrung der Zivilisation steht, und da\u00df das Heil einzig in der wechselseitigen Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit zwischen den verschiednen V\u00f6lkern der Welt liegt. (&#8230;) Sie (die Erziehung, Einf\u00fcgung JG) hat es vermocht, wie wir \u00dcbergenug gesehen haben, den Geist einer Nation sich selbst zu entfremden, indem sie ihr das falsche Ideal des blo\u00dfen Nationalismus unterstellt. Wie viel mehr mu\u00df sie f\u00e4hig sein, an Stelle dessen jene universalen Ideale zu pflegen, die keiner Nation besonders, sondern der Menschheit angeh\u00f6ren.&#8220; (Auslassung im Original)<\/p>\n<p>Aus seinem Buch: &#8222;After the War&#8220; (&#8222;Nach dem Kriege&#8220;), London 1915 wurde ein l\u00e4ngerer Abschnitt einger\u00fcckt (hier ein Teil davon):<\/p>\n<p>&#8222;Der Adel eines Volks liegt nicht in seiner Bef\u00e4higung zum Krieg, sondern in seiner Bef\u00e4higung zum Frieden . . . Das haben alle Menschen von tiefer Seelenkenntnis gewu\u00dft, nicht nur die Religionsstifter, sondern auch die weltlichen Lebensk\u00fcnder. Virgil, Dante, Goethe, Shelley haben Frieden nicht weniger gepredigt als Jesus Christus oder Franz von Assisi oder George Fox. Und Friede ist nicht nur ein negatives Ideal, er ist die Voraussetzung f\u00fcr alle positiven &#8230; <\/p>\n<p>Und ich hoffe. Ich hoffe, weil ich an die Jugend glaube. An sie wende ich mich nun. Euch, Ihr jungen Menschen, war es durch ein tragisches Schicksal gegeben, mit Euren Augen zu sehen und mit Euren Ohren zu h\u00f6ren, was der Krieg wirklich ist.&#8220; (Auslassung im Original)<\/p>\n<p>Paul Natorp, Professor f\u00fcr Philosophie und P\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Marburg schrieb:<\/p>\n<p>&#8222;Von der Gesundung der geistig-sittlichen Beziehung von Volk zu Volk h\u00e4ngt die Gesundung der wirtschaftlichen und politischen Wechselbeziehungen ebenso wesentlich ab, wie sie umgekehrt auf diese angewiesen ist. Aussichtslos ist daher jedes Bestreben auf Einigung der V\u00f6lker, das nicht bis auf diesen letzten Grund zur\u00fcckgeht und alle Kr\u00e4fte aufruft, die von innen her der zu einer gef\u00e4hrlichen<br \/>\nH\u00f6he gewachsenen gegenseitigen Blindheit und Taubheit und daher F\u00fchllosigkeit und Feindschaft der V\u00f6lker entgegenarbeiten k\u00f6nnen. Daher wird letzten Grunds alle Arbeit auf eine Einigung der V\u00f6lker im zweiten Sinne &#8222;p\u00e4dagogisch&#8220; sein m\u00fcssen; nicht im Sinne einer von au\u00dfen heranzubringenden Verstandesaufkl\u00e4rung oder Moralpredigt oder k\u00fcnstlerischen oder religi\u00f6sen Einwirkung. Die Aufgabe ist vielmehr die ernstere einer innersten Umwandlung der ganzen Stellung von Mensch zu Mensch, ja der ganzen Auffassung des Menschendaseins auf Erden, seines Sinns und Zwecks &#8230; <\/p>\n<p>Ich sehe \u00fcberhaupt keine Hoffnung, wenn es nicht gelingt, durch die bittre Schule der Not &#8230; zu erkennen, da\u00df anders als in freier, gegenseitig f\u00f6rdernder Zusammenarbeit, auf die Dauer keiner mehr zu einem lebenswerten Leben auf Erden kommen kann, da\u00df aber ein solches f\u00f6rderndes Zusammenarbeiten nur m\u00f6glich ist auf Grund eines bessern gegenseitigen Verstehens und guten Willens.<br \/>\nMarburg, August 1919.&#8220; (Auslassung im Original)<\/p>\n<p>Jane Ellen Harrison, L. L. D. D. Litt. Fellow and Lecturer am Newnham College, Cambridge, England. Korrespondierendes Mitglied des K. K. Arch. Instituts schrieb 1919:<\/p>\n<p>&#8222;Ich hab die gute Nachricht des Plans einer Internationalen Erziehungsrundschau erhalten und kann es mir nicht versagen, Ihnen zu schreiben, wie warm ich dieses Unternehmen begr\u00fc\u00dfe. Wenn ich es recht verstehe, so ist das Ziel dieser neuen Bl\u00e4tter, die V\u00f6lker einander n\u00e4herzubringen in gemeinsamer Hinwendung zu einem neuen Erziehungsideal. Dieses neue Ideal bedeutet nicht die Aufpr\u00e4gung irgendwelcher \u00fcberlieferter Formen oder Lehren; es will vielmehr zur freien Entfaltung innerster Anlagen verhelfen. Es will versuchen, anstatt die Jugend in eine Sph\u00e4re der Verneinung und Zerst\u00f6rung hineinzustellen, das Schaffen zu Ihrem Lebenselement zu machen; es will statt der Lust an Erwerb und Besitz sie mit Freude an pers\u00f6nlicher Sch\u00f6pferkraft durchgl\u00fchen. Diese Sch\u00f6pferkraft wird, so d\u00fcrfen wir hoffen, allm\u00e4hlich \u00e4u\u00dfre Disziplin, Zwang und Rivalit\u00e4t \u00fcberfl\u00fcssig machen. Eine Welt von Schaffenden und Gestaltenden, das war im Altertum das &#8222;h\u00f6chste Gut&#8220; des Aristoteles; eine solche Welt ist das neue Jerusalem, nach dem unsre Zeit verlangt. Und wir hoffen und glauben, da\u00df der Bau dieser Stadt das Werk der zur Bruderschaft erwachten V\u00f6lker sein wird.<br \/>\nNewnham College, Cambridge, 30. November 1919.&#8220;<\/p>\n<p>Die Zitatenreihe lie\u00dfe sich fortsetzen.<\/p>\n<p>\u00dcber den Widerspruch zwischen den Aussagen von Erich Weniger und den Bekenntnissen des Weltbundes zum Frieden und zur V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung auch durch Erziehung kann nicht hinweggesehen werden.<\/p>\n<p>Hein Retter stellt in seinem Beitrag eine Reihe von Gedanken und Fragen vor. War Erich Weniger Antisemit? Wie war seine Einstellung zum Pazifismus? Kann der Tod auch nur eines Menschen irgendeinen Krieg &#8211; aus welchem Grund und mit welcher Begr\u00fcndung auch immer &#8211; rechtfertigen?<br \/>\nDer erste Jahrgang von 1920 Der Zeitschrift: &#8218;<a href=\"..\/..\/..\/..\/..\/uebersicht.php\" target=\"_blank\">Internationale Erziehungsrundschau<\/a>&#8218; kann hier eingesehen und als PDF von der Internetseite des Weltbundes heruntergeladen werden.<\/p>\n<p>Auch aus sp\u00e4terer Zeit ist nichts erkl\u00e4rendes zu berichten:<\/p>\n<p>&#8222;Von Erich Weniger wurden zweifelhafte Rechtfertigungsideologien, angepa\u00dft an die jeweiligen gesellschaftlichen Verh\u00e4ltnisse, als Mittel eingesetzt, um den Krieg zu legitimieren. Die Opfer an Zerst\u00f6rung und Menschenleben, die daf\u00fcr zu erbringen sind, wurden entweder als &#8222;heldenhaft&#8220; hervorgehoben oder als sachlich notwendig betrachtet; die Vermeidung von Krieg als moralische Pflicht ist bei Weniger in jener Zeit, in der er sich mit der nationalsozialistischen F\u00fchrung arrangierte, um an als Betreuungs- und NS-F\u00fchrungsoffizier der Wehrmacht t\u00e4tigsein zu k\u00f6nnen, nicht vorfindbar. Die Realit\u00e4t der Opfer spielte allerdings auch schon vor 1933 f\u00fcr ihn eine untergeordnete Rolle. (&#8230;)<\/p>\n<p>Angesichts eines weiteren globalen (Atom-)Krieg, dessen Gefahr noch keineswegs abgewendet ist, fragt Hein Retter: <\/p>\n<p>&#8222;Was kann man heute von einem P\u00e4dagogen halten, der die Kriegsverherrlichung auf die Spitze treibt, indem er die &#8218;Wirklichkeit des Krieges&#8216; als unabdingbar hinstellt f\u00fcr die Formung des Volkes &#8218;als politische Kraft&#8216; (Kriegeserinnerung Kriegserfahrung, 1935) &#8211; und sich auch nach 1945 keineswegs distanziert hat von fr\u00fcheren Grund\u00fcberzeugungen?&#8220; (Auslassung im Original)<\/p>\n<p>Auch der Forschungsbericht der Johann Wolfgang Goethe-Universit\u00e4t von 2008 zeichnet kein freundlicheres Bild.<\/p>\n<p>Watanabe, Takanobu (2004): Erich Weniger als Vorsitzender der deutschen Sektion des &#8222;Weltbundes f\u00fcr Erneuerung der Erziehung&#8220;, in: Jahrbuch f\u00fcr historische Bildungsforschung, 10. Jg., S. 217\u2013233<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hein Retter &#8211; Jahrgang 1933 &#8211; ist kein &#8218;verbiesterter Schreiberling&#8216;, der Erich Weniger am Zeug flicken will. Auch wenn er selbst eingesteht, dass er der Tradition der &#8217;schwarzen Betrachtungsweise&#8216; gefolgt ist, muss man klar sehen, dass Erich Weniger in seinen S\u00e4tzen Auffassungen formuliert hat, die ihm wirklich nicht zur Ehre gereichen. (Retter, Hein (1988): Einige &hellip; <a href=\"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/2017\/03\/15\/erich-weniger-ein-militaerpaedagoge-als-praesident-des-weltbundes-eine-kritische-sichtweise-von-hein-retter\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Hein Retter und Erich Weniger &#8211; die Sichtweise des Weltbundes<\/span> weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,18],"tags":[],"class_list":["post-204","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-nachrichten","category-wee"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=204"}],"version-history":[{"count":23,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":237,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204\/revisions\/237"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/wef-wee.net\/de\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}