WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
Wir sind umgezogen! Die neue Seite erreichen Sie unter: http://wef-wee.net/de/index.php
Diese Homepage wird nicht mehr gepflegt.
Bitte erneuern Sie ihre Bookmarks.



5. DIE ODENWALDSCHULE HEUTE
5.1 Angebote und Ziele des Unterrichts
5.1.1 Welche Kinder besuchen die Odenwaldschule?

In der Odenwaldschule leben sehr unterschiedliche Schüler. Die Schüler unterscheiden sich, wie Schüler öffentlicher Schulen auch, hinsichtlich ihrer Interessen und Begabungen, und natürlich auch ihre Biographie betreffend. Der Unterschied zu öffentlichen Schulen ist, wie mit Heterogenität und den Problemen der Kinder und Jugendlichen umgegangen wird.

Deswegen wird die Odenwaldschule auch Kindern gerecht, die in öffentlichen Schulen nicht die nötige individuelle Förderung erhalten konnten. Für Kinder und Jugendliche, die sich in einer schwierigen familiären Situation befinden, ist der Besuch der Odenwaldschule eine gute Lösung, da sie hier eine „Ersatzfamilie“ haben. Familienzustände, die dazu führen, daß Kinder oder Jugendliche in die Odenwaldschule kommen, sind beispielsweise: Krankheit, Todesfälle, Trennung der Eltern, Berufstätigkeit der Eltern (NORDLOH 1996, 394). Man kann die Odenwaldschule also als einen „Ort kompensatorischer Erziehung“ (ALPHEI 1999 (2)) betrachten, d.h. sie ersetzt einen Familie, oder hat die Aufgabe, Defizite einer Familie zu kompensieren. Oft sind ja Schwierigkeiten in der Schule auch ein Anzeichen für Probleme innerhalb der Familie.
(ALPHEI 1999 (2))
5.1.2 Die integrierte Gesamtschule Die Odenwaldschule war von Anfang an eine Gesamtschule, auch wenn dieser Begriff damals noch nicht existierte (ALPHEI 1999 (2)). Sie ist die einzige Gesamtschule in Deutschland, die gleichzeitig Internat ist, eine staatlich anerkannte Ersatzschule besonderer pädagogischer Prägung.

Folgende Schulabschlüsse sind an der Odenwaldschule möglich:
Berufsabschlüsse, die man an der Odenwaldschule erwerben kann:
(ODENWALDSCHULE 1999 (2), 17)

Sie ist ein „Haus mit vielen Ausgängen“(ALPHEI 1999 (2)). Es gibt viele Abschlüsse, und diese Vielfalt wird durch ein „kompliziertes System von innerer und äußerer Differenzierung“ (ALPHEI 1999 (2)) ermöglicht, was eine schwierige Aufgabe ist. Diese Aufgabe erfordert immer wieder Absprachen, Auseinandersetzungen und Neuregelungen. Die Gefahr eines Auseinandersortierens durch Differenzieren muß durch Zusammenführen gebannt werden (ALPHEI 1999 (2)).

5.1.3 Die Unterrichtsgestaltung An der Odenwaldschule gilt die Devise, daß der Unterricht vom Kinde ausgehen muß. Um dies zu verwirklichen, gibt es unter anderem folgende Formen und Bedingungen (BECKER/ VOGEL/ WEIDAUER 1993, 244-245):

Carlo Nordloh, der vor seiner Zeit als Referendar ein Praktikum an der Odenwaldschule machte, ist allerdings der Meinung, daß sich der Unterricht der Odenwaldschule im Moment nicht sehr vom Unterricht herkömmlicher Schulen unterscheidet. Er räumt allerdings ein, daß die Schule in Bewegung ist, und sich bemüht, Grundlagen für fächerübergreifenden Unterricht zu schaffen (NORDLOH 1996, 395).

5.1.4 Vom ungefächerten Werkunterricht zur spezialisierten Werkstattausbildung Wie bereits erläutert, hat praktische Arbeit in der Odenwaldschule eine große Bedeutung und ist somit ein wesentlicher Bestandteil des Erziehungskonzeptes. Die praktische Ausbildung der Schüler an der Odenwaldschule, beginnt mit dem ungefächerten Werkunterricht in der 5. und 6. Klasse. Dieser Unterricht soll den Schülern eine Grundausbildung im künstlerischen und handwerklichen Bereich vermitteln und versuchen, die Kinder für das praktische Arbeiten zu interessieren und zu begeistern. Der Unterricht findet in einer eigenen Werkstatt statt.

In der 7. Klasse haben die Schüler gefächerten Werkunterricht anhand dreier Materialien: Holz, Ton und Textilien. Hierbei wird ihre Grundausbildung weiter spezifiziert.

Die spezialisierte Werkstattausbildung in den Lehrwerkstätten beginnt schließlich in Klasse 8. Ab diesem Zeitpunkt arbeiten die Schüler drei Jahre lang einen ganzen Vormittag in der Woche in einer Werkstatt ihrer Wahl. In der 10. Klasse beenden die Schüler diese Werkstattausbildung mit einem „Gesellenstück“ und einem Abschlußgespräch, das aber eher Reflexionscharakter als Prüfungscharakter hat.

Interessierte und begabte Schüler haben in der Oberstufe die Möglichkeit, den Gesellenbrief im Schlosser- und Schreinerhandwerk zu erwerben (ODENWALDSCHULE 1999 (2), 21). Voraussetzung ist ein Vorbereitungskurs von vier Wochenstunden in der 10.Klasse, der erfolgreich absolviert wurde. Zum Schuljahresende muß der Schüler einen Antrag stellen, um für diesen Ausbildungsgang zugelassen zu werden, welcher von der Klassenkonferenz genehmigt werden muß.
(ODENWALDSCHULE 1999 (2), 19-21)

5.1.5 Das CTA-Programm Seit 1978 besteht an der Odenwaldschule für Schüler der gymnasialen Oberstufe die Möglichkeit, an einer Ausbildung zum „Staatlich geprüften Chemisch-technischen Assistenten“ teilzunehmen. Die Ausbildung dauert drei Jahre; sie findet also während der gesamten Phase der gymnasialen Oberstufe statt.
Voraussetzung ist, am Leistungsfach Chemie teilzunehmen. Ansonsten besteht die Ausbildung aus zusätzlichen Kursen in Mathematik und Physik und einer laborpraktischen Ausbildung, die zwei volle Nachmittage in der Woche einnimmt.

Direkt nach dem Abitur findet eine besondere Prüfung statt, sodaß der Schüler die Odenwaldschule mit einer allgemeinbildenden und einer beruflichen Qualifikation verläßt.

Mit diesen beiden Abschlüssen kann man dann wählen, ob man studieren möchte, oder ob man der Beruf des CTA ausüben will. Auch für die Aufnahme eines naturwissenschaftlichen oder technischen Studiums ist diese Ausbildung von Vorteil; in vielen Fällen sogar in doppelter Hinsicht: Man kann zum einen von den praktischen und theoretischen Kenntnissen aus der Berufsausbildung im Studium profitieren, und es besteht zum anderen die Möglichkeit, daß bestimmte Elemente der Ausbildung auf den Studiengang angerechnet werden.
(ODENWALDSCHULE 1999 (2), 22-23)

5.1.6 Zeugnisse Die Zeugnisse werden an der Odenwaldschule Berichtshefte genannt. Jeder Mitarbeiter schreibt am Ende jedes Kurses einen individuellen Kursbericht. In dem Bericht wird die abschließende Bewertung (erfolgt ab Klasse 7 in den üblichen Notenstufen) kommentiert und begründet. Die Kursberichte werden dann jeweils zum Schulhalbjahr und zum Schuljahresende zum Berichtheft gebündelt und als Information für Eltern und Schüler verteilt (ODENWALDSCHULE 1999 (2),15).

5.2 Das Internatsleben 5.2.1 Die „Familien“ Für Lehrer, Schüler und Mitarbeiter sollen Leben und Arbeiten miteinander verbunden sein. Die Schüler bleiben im Durchschnitt ca. vier bis fünf Jahre in der Odenwaldschule. In dieser Zeit wird die Odenwaldschule, was für sie als „Landerziehungsheim“ auch Ziel ist, für die meisten Schüler ein zweites Zuhause. Umgesetzt wird dieses Ziel unter anderem durch das Leben in „Familien“. Dies sind Wohngruppen, in denen jeweils 6-10 Schülerinnen und Schüler unterschiedlichen Alters zusammenleben. Das „Familienhaupt“ ist ein Lehrer, eine Lehrerin oder ein Lehrerehepaar. Sie wohnen im gleichen Haus, in einer abgetrennten Wohnung, und sind für die Familie verantwortlich. Die Familien sind nach ihrem Familienhaupt benannt, zum Beispiel „Müller-Familie“. Das Familienhaupt sollte normalerweise der Erwachsene sein, den man bei großen und auch kleinen Problemen um Rat fragen und ins Vertrauen ziehen will und kann.

Die Schüler bewohnen hauptsächlich Zweierzimmer, die vorhandenen Einzelzimmer werden normalerweise an Oberstüfler vergeben. In den Zweierzimmern lebt man mit einem Mitschüler gleichen Geschlechts und gleichen Alters bzw. gleicher Klassenstufe zusammen.

Die Zimmer der Schüler sind unterschiedlich groß und nur mit einer Grundausstattung versehen, also mit Bett, Tisch, Schrank und Regal. Innerhalb bestimmter Grenzen dürfen sich die Schüler dann ihr Zimmer nach Geschmack einrichten.

Für die Schüler ist außer der Familie und dem Zimmergenossen zudem von Wichtigkeit, in welchem Haus sie wohnen. Je nach Lage des Hauses befindet man sich eher im „Zentrum“ des Schulgeländes und des Geschehens oder eben eher am Rand des Schulgeländes (Waldrand), wo man viel Ruhe hat.

Außer der gerade erläuterten Form von Familie gibt es an der Odenwaldschule noch zwei Sonderformen:

  1. Das Pestalozzihaus. Es liegt am Rande des Schulgeländes und beherbergt die jüngsten Schüler der Odenwaldschule (5. und 6. Klasse). Ihr Tagesplan weicht von dem der übrigen Schule ab.
  2. Die Kameradenfamilien. In dieser Art von Familie betreut ein Schüler der Oberstufe zwei jüngere Mädchen oder Jungen, die dann auch von ihm auf den Konferenzen vertreten werden. Von den Kameradenfamilien gibt es unterschiedlich viele, je nachdem, wieviele Schüler der Oberstufe sich für dieses Amt melden, das sehr viel Verantwortung und auch Anstrenungen erfordert. Die Schüler, die sich melden, müssen außerdem noch von der Konferenz bestätigt werden.

Jede Familie nimmt dreimal täglich gemeinsam ihre Mahlzeiten im Speisesaal ein, wo sie ihre festen Tische haben. Das Zusammenleben in den einzelnen Familien ist unter Umständen sehr unterschiedlich. Manche Familien unternehmen viel miteinander und haben auch sonst eine sehr feste Bindung, wohingegen andere Familien eher einer losen Wohngemeinschaft gleichen.

Das Leben in Familien soll unter anderem helfen, wichtige Erziehungsziele im sozialen Bereich zu verwirklichen. Man lernt sich außerhalb seiner Rolle als Mitschüler oder Lehrer in einer privateren Rolle kennen. Man lernt:

(ODENWALDSCHULE 1999 (2), 8-11).

Grundsätze, die das Zusammenleben nicht nur in den Familien, sondern allgemein in der Odenwaldschule tragen sind z.B. (ODENWALDSCHULE 1999 (1)):
  1. „ Jede und jeder hat das Recht, die eigene Persönlichkeit frei und gemäß den eigenen Fähigkeiten zu entfalten. Dieses Recht findet seine Grenzen dort, wo Schaden für die eigene Person, für andere Menschen, für die Gemeinschaft oder für die Umwelt droht.
  2. Jede und jeder hat das Recht, die eigene Meinung frei zu äußern, solange die Sprache nicht verletzend oder diskriminierend eingesetzt wird.
  3. Jede und jeder hat die Pflicht, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Verantwortung für die Bedürfnisse von Schwächeren, von Jüngeren und von Minderheiten zu übernehmen und ihnen im Konfliktfall den Vorrang einzuräumen.
  4. Jede und jeder hat die Pflicht, mit den Gegenständen und Einrichtungen unserer Gemeinschaft ebenso wie mit Lebensmitteln und den Ressourcen unserer natürlichen Umwelt umsichtig und schonend umzugehen.“

5.2.2 Gemeinsame Aktivitäten außerhalb des Unterrichts In der Odenwaldschule werden viele Aktivitäten außerhalb des Unterrichts geboten. So ist es zum Beispiel üblich, daß jede Familie fünf Wochen nach Beginn des Schuljahres eine Woche miteinander verreist. Diese Woche ist die sogenannte Wanderwoche, und jede Familie kann ihr Ziel selbst bestimmen (zum Beispiel: Segeln in Holland, Wandern in den Alpen usw.) (ODENWALDSCHULE 1999 (2),11).

Seine „Freizeit“ kann man beispielsweise mit Dingen wie Sport (alle gängigen Hallen- und Freiluftsportarten, Kraftraumtraining, Rhönradturnen, Tanzen Jonglieren, Schwimmen, Klettern usw.), Theater, Film/ Video, Fotografieren, Computer, Elektronik, Kunst und Musik oder aber auch mit sozialen Diensten (z.B. Besuchsdienst in einem psychiatrischen Krankenhaus, Hausaufgabenbetreuung in ausländischen oder sozial schwachen deutschen Familien) ausfüllen (ODENWALDSCHULE 1999 (1)).

5.2.3 Die Aufgaben des Lehrers Die Lehrer sind an der Odenwaldschule mehr als nur „Lehrer“. Sie werden hier pädagogische Mitarbeiter genannt. Ihre Tätigkeit ist längst nicht nur aufs Unterrichten beschränkt.

Mit ihrer Entscheidung, in der Odenwaldschule zu arbeiten, entscheiden sie sich nicht nur für einen Arbeitsplatz, sondern auch für eine Lebensform (NORDLOH 1996, 394)

Doch was macht nun einen guten Lehrer oder eine gute Lehrerin aus, bzw. nach welchen Kriterien werden die Lehrer an der Odenwaldschule „ausgesucht“? Die Maßstäbe, die hier angelegt werden, sind nicht objektiv meßbar, eigentlich sind die Kriterien eher eine Art Selbstprüfung für die Bewerber.

Gerold Becker nennt sieben Kriterien, denen man als guter Lehrer an der Odenwaldschule entsprechen sollte (BECKER 1996, 46-48):

  1. Gesundheit, jedoch mehr im Sinne von Belastbarkeit, da man als Lehrer (nicht nur an der Odenwaldschule) immer wieder großen Belastungen ausgesetzt ist.
  2. Voraussetzung ist, Kinder und Jugendliche gern zu haben, ein Kriterium, welches eigentlich selbstverständlich erscheint, es aber in der Praxis nicht immer ist.
  3. Humor d.h. die Situation, in der man sich gerade befindet, oder auch die Institution, in der man arbeitet, distanziert betrachten zu können, und auch darüber lachen zu können. Es nützt nichts, sich von einer Situation oder einem Problem überwältigen zu lassen, da dies nur zu Verbitterung führt.
  4. Ein guter Lehrer muß von seinem Fach erfüllt sein. Ansonsten gelingt es ihm nicht, seinen Schülern begreiflich zu machen, daß es lohnenswert ist, sich auf diese Sache einzulassen.
  5. Eine Souveränität sowohl im als auch gegenüber dem eigenen Fach, eine Souveränität, die es dem Lehrer ermöglicht, „Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Zusammenhänge herzustellen, und beides auch den Schülerinnen und Schülern verständlich zu machen“.
  6. Lehrer müssen sich darüber im Klaren sein, daß Menschen auf viele verschiedenen Arten lernen, und wie man die Jugendlichen beimLernen unterstützt.
  7. Demokratie fängt in der Schule an, d.h. Lehrer müssen Gemeinsinn und Verantwortungsbereitschaft zeigen.

Lehrer an der Odenwaldschule handeln außerdem nach bestimmten pädagogischen Grundüberzeugungen, die sich im pädagogischen Alltag folgendermaßen auswirken:


(BECKER/ VOGEL/ WEIDAUER 1993, 238, 239)

5.3 Besondere Gremien der Odenwaldschule 5.3.1 Was aus unserer Schule wird, ist unsere gemeinsame Sache 1931 schrieb Paul Geheeb: „Die zentrale Idee unserer Gemeinschaft ist eben die der Verantwortung, der Verantwortung jedes Einzelnen für sich selbst und für die Gesamtheit.“ Aus diesem Grunde existierte an der Odenwaldschule die sogenannte „Schulgemeinde“. Bei allen Entscheidungen, die getroffen werden mußten, durften alle Schüler und Mitarbeiter mitentscheiden.

Heute gibt es die Schulgemeinde noch immer, wobei sie aber nur noch 2-3 mal im Jahr zusammenkommt, wenn z.B. eine Neuerung eingeführt wird, die jeden Einzelnen betrifft, da die Schule inzwischen zu groß geworden ist, um bei jeder Entscheidung alle Schüler abstimmen zu lassen. Dafür gibt es aber heute andere Gremien und Einrichtungen, durch die die Meinung der Schüler zum Ausdruck kommt.

Wichtiger als die Schulgemeinde ist heute die Teekonferenz, die jeden Vormittag stattfindet und an der alle pädagogischen und ca. 15 technisch-administrative Mitarbeiter und etwa die gleiche Anzahl an Schülern teilnehmen.

5.3.2 Die Klassengemeinden Die Klassengemeinden sind Versammlungen, in denen Fragen geklärt werden, die ausschließlich die jeweilige Klasse betreffen.

5.3.3 Das Parlament
zum Seitenanfang Jede Familie entsendet einen Vertreter oder eine Vertreterin in das Schülerparlament, welches von allen Schülern einen finanziellen Beitrag erhält, über dessen Verwendung das Schülerparlament beschließt. Das Schülerparlament regelt (auch durch seine Ausschüsse) möglichst viele Dinge in eigener Verantwortung, die nur die Schülerschaft betreffen. In den allgemeinen Konferenzen sind wiederum 16 Parlamentsmitglieder (die vom Parlament entsandt werden) stimmberechtigt.

5.3.4 Der Rechtsausschuß Der Rechtsausschuß besteht aud vier Schülern, die vom Parlament gewählt werden, und aus vier Mitarbeitern, die von der Konferenz gewählt werden. Der Rechrsausschuß schlägt der Konferenz vor, was mit Einzelnen geschehen soll, wenn sie Regeln (geschriebene und ungeschriebene) verletzt haben. Beschlüsse des Parlaments und der Konferenz können vom Rechtsauschuß angefochten werden, wenn sie nicht korrekt entschieden wurden.

5.3.5 Der Vertrauensausschuß Der Vertrauensausschuß besteht aus fünf Schülern, die von der ganzen Schülerschaft gewählt werden. Bei Konflikten unter den Schülern oder zwischen Schülern und Mitarbeitern steht er zur Vermittlung und Schlichtung zur Verfügung. Der Vertrauensausschuß hat das Recht, überall gehört zu werden, und ebenso, überall zuzuhören. Auch bei der Einstellung neuer Mitarbeiter wird er herangezogen.

5.3.6 Die Fachgruppenvertreterversammlung Die Fachgruppenvertreterversammlung berät in allen Unterrichtsfragen der Oberstufe mit. Sie besteht aus je einem gewählten Vertreter aller Grund- und Leistungsfächer der Oberstufe. Die Fachgruppenvertreterversammlung ist außerdem in allen Oberstufenkonferenzen stimmberechtigt und die einzelnen Fachgruppenvertreter sind es auch in den entsprechenden Fachkonferenzen (ODENWALDSCHULE 1999 (2), 36-37).

5.4 Tagesablauf an der Odenwaldschule Um einen kleinen Überblick darüber zu geben, wie ein Tag in der Odenwaldschule eingeteilt ist, folgt hier ein Tagesablauf der Odenwaldschule (ODENWALDSCHULE 1999 (1)):

Uhrzeit
ab 7.00 Frühstück
7.30 - 8.10 1. Stunde
8.15 - 8.55 2. Stunde
8.55 - 9.30 9 Uhr Pause, zweites Frühstück zum Abholen im Speisesaal oder in den Familien
9.30 - 10.10 3. Stunde
10.15 - 10.55 4. Stunde
11.00 - 11.20 Teekonferenz
11.25 - 12.05 5. Stunde
12.10 - 12.50 6. Stunde
13.00 - 13.30 Mittagessen
13.45 - 14.45 Mittagsruhe
ab 15.00 Nachmittagsveranstaltungen
15.00 - 15.40 7. Stunde
15.45 - 16.25 8. Stunde
16.25 - 16.45 Vesper zum Abholen im Speisesaal
17.00 - 18.15 Arbeitsstunde
16.50 - 17.30 9. Stunde
17.35 - 18.15 10. Stunde
18.30 - 19.00 Abendessen
ab 19.15 Abendveranstaltungen
19.15 - 19.55 11. Stunde
20.00 - 20.40 12. Stunde

Dieser Plan gilt allerdings nur für Unterrichtstage (Montagmorgen bis Samstagnachmittag). An Wochenenden und Heimfahrwochenenden und an An- und Abreisetagen gibt es für die Essenszeiten spezielle Regelungen.

Abendruhe ist in der Regel ab 21.00 Uhr; um diese Uhrzeit muß es in den Häusern und im Gelände so ruhig sein, daß alle, die schlafen sollen oder wollen, nicht gestört werden. An Samstagen ist die Abendruhe erst ab 22.00 Uhr. Für die verschiedenen Klassenstufen ist natürlich zu unterschiedlichen Zeiten „Zubettgehzeit“:

5. und 6. Klasse: 21.00 Uhr
7. Klasse: 21.30 Uhr
8. bis 13. Klasse: 22.00 Uhr

Für Samstage gibt es Sonderregelungen, außerdem können Schüler der Oberstufe nach Absprache mit ihren Familienhäuptern über 22.00 Uhr hinaus wegbleiben.
Für die gemeinsamen Mahlzeiten gilt:
Am Frühstück ab 7.Uhr nehmen alle teil. Ausnahmen sind möglich, müssen aber mit dem Familienhaupt abgesprochen werden. Für die Teilnahme am Mittagessen sollten jedoch keine Ausnahmen gemacht werden, weil die sogenannten „Speisesaalansagen“, die nach dem Essen gemacht werden, jeder mitbekommen sollte. Auch am Abendessen nehmen alle teil, hier können wiederum Ausnahmen mit Zustimmung des Familienhauptes genehmigt werden. Sonntags entfällt das Mittagessen im Speisesaal. Die Familien brunchen dann ausgiebig in den Mitarbeiterwohnungen.