WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
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2. Biographische Angaben zu Maria Montessori



2.1 Kindheit und Jugend

Maria Montessori erblickte am 31. August 1870 in Chiaravalle in der italienischen Provinz Ancona das Licht der Welt. Ihr Vater Allessandro Montessori war Staatsbeamter und als ehemaliger Soldat von Disziplin und Gehorsam geprägt. Ihre Mutter Renilde Montessori, geborene Stoppani, war eine stolze, selbstbewusste und gebildete Frau, die ihre Tochter auf deren ungewöhnlichem Lebensweg stets ermutigte die stereotype Frauenrolle zu verlassen und trotz vielfacher Widerstände ihren eigenen Weg zu beschreiten. Im Jahre 1873 zog die Familie Montessori aus beruflichen Gründen nach Florenz und ein Jahr später nach Rom, wo Maria zur Schule ging, die Universität besuchte und letztendlich den Grundstein ihrer medizinischen und pädagogischen Karriere legte.

Maria Montessori wuchs in einem bildungsnahen Elternhaus auf, welches ihr ermöglichte ihre Persönlichkeit und ihren Geist von früh auf zu schulen. Als junges Kind schon war sie ein sehr selbstbewusstes Mädchen, dem früh klar zu sein schien, dass sie im Leben höhere Ziele hatte, als ausschließlich die traditionelle Frauenrolle als Ehefrau und Mutter einzunehmen. Trotz der gebildeten und fortschrittlichen Eltern, waren Religion und Glaube zentrale Aspekte im Leben der Montessoris, die auch Maria nachhaltig prägten. Ihr Leben und Denken waren stets von einer starken Gläubigkeit und Religiosität geprägt, was sich auch in ihren Schriften, in Form einer ständigen Vernetzung von Pädagogik, Medizin und Religion, widerspiegelte. Im Rahmen der moralischen und religiösen Erziehung entwickelte sich auch Marias ausgeprägtes Bewusstsein für soziale Verantwortung, das sich im Laufe ihres Lebens nicht nur in ihrer Pädagogik, sondern ebenso in sozialem Engagement für Hilfsbedürftige aller Art ausdrückte. Sie war immer eine Kämpferin gegen die Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung der Menschen und setzte sich für ein friedliches Zusammenleben aller Menschen und Nationen ein (vgl. Kramer 1995, S. 25 ff.). Mit sechs Jahren (1876) begann Marias Grundschulzeit an einer öffentlichen Schule in Rom, die geprägt war von den damaligen Missständen im italienischen Schulsystem. Schlechte Bezahlung und geringes Ansehen der Lehrer, dreckige und überfüllte Räumlichkeiten, strenge Disziplin und Missachtung der Bedürfnisse der Kinder, waren nur einige Aspekte der miserablen Schulwelt zur damaligen Zeit. Mit zwölf Jahren (1883) wechselte Maria an ein technisches Gymnasium, was für die Mädchen ihrer Zeit sehr unüblich war, da von ihnen keinerlei schulische oder berufliche Karriere erwartet wurde, sondern das Dasein als sittsame Ehefrau. Schon hier zeigten sich Montessoris Eigenwille und ihre Durchsetzungskraft, da sie sich gegen die konventionellen Vorstellungen ihres Vaters zu Wehr setzte und ihren eher ungewöhnlichen Wunsch eine technisch-naturwissenschaftlich ausgerichtete Schule zu besuchen, verwirklichen konnte (vgl. Raapke 2004, S. 167).

Aufgrund der schlechten Verhältnisse in den Schulen ihrer Zeit waren die Schulerfahrungen Marias von Negativität, Unterordnung und Passivität geprägt, woraus man schließen kann, dass diese Erfahrung auch einer der Gründe für ihre reformpädagogischen Forderungen nach einer grundlegenden Umstrukturierung des Schulsystems und einem neuen Verständnis von Erziehung war. Das damalige Schulsystem war ein Paradebeispiel dafür, wie die Individualität des Einzelnen unterdrückt werden konnte und als Maria Montessori "ihre Aufmerksamkeit schließlich auf die Erziehung als solche richtete, gab ihr das System ein eindeutiges Beispiel dafür, wie eine Schule nicht sein sollte" (Kramer 1995, S. 38).

Nach ihrem erfolgreichen Abschluss an der Technischen Schule besuchte sie von 1886 bis 1890 das Regio Istituto Tecnico Leonardo da Vinci, an welchem sie Moderne Sprachen und Naturwissenschaften studierte. Als sie auch hier erfolgreich ihre Abschlussprüfungen abgelegt hatte, entschied sie sich dafür, ein Studium der Humanmedizin aufzunehmen, was ihr, aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit, zu Anfang jedoch verweigert wurde. Aus diesem Grund entschied sie sich vorerst für ein Studium der Physik, Mathematik und Naturwissenschaften an der Universität in Rom, welches ihr aufgrund ihres sehr guten Abschneidens3 nun die Berechtigung verlieh, als erste Frau in der italienischen Geschichte das Studium der Medizin aufzunehmen. Dies tat sie auch mit großem Ehrgeiz, Zielstrebigkeit und Erfolg und trotzte dem Unmut vieler männlicher Kontrahenten. Nachdem sie in ihren letzten Studienjahren in der Kinder- und Frauenheilkunde, sowie in der Psychiatrie tätig gewesen war, schloss Montessori im Frühjahr 1896 ihr Studium und ihre Doktorarbeit mit Erfolg ab und ging so in die italienische Geschichte als die erste Frau ein, die bis dato ein Medizinstudium abgeschlossen hatte. Nach ihrem sehr guten Examen und ihrer guten Reputation bekam Montessori sogleich eine Stelle als Assistenzärztin in der Abteilung für Kinderpsychiatrie und eröffnete ihre eigene Praxis (vgl. ebd., S. 40 ff.). Hier wurde der Grundstein für ihr besonderes Interesse an der Pädagogik und Erziehung, vorerst in Bezug auf geistigbehinderte Kinder, später in Hinblick auf gesunde Kinder, gelegt.



Fußnoten:
3 Durch ihr sehr gutes Abschneiden wurde ihr das Diploma di licenza verliehen, welches ihr damals den Zugang zum Medizin-Studium ermöglichte.




















Selbsttätige Erziehung nach Maria Montessori

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Biographische Angaben zu Maria Montessori
2.1 Kindheit und Jugend
2.2 Von der Medizin zur Pädagogik
2.3 Historische Einordnung in den Kontext der Reformpädagogik

3. Pädagogisch-anthropologische Grundlagen
3.1 Anthropologische Grundgedanken von Maria Montessori
3.1.1 Das Erziehungsziel von Maria Montessori und ihr Bild vom Kind
3.1.2 Der geistige Embryo und der absorbierende Geist
3.1.3 Die sensiblen Perioden und die Entwicklungsstufen des Kindes
3.1.4 Die Polarisation der Aufmerksamkeit
3.2 Die pädagogische Umsetzung: Das Kinderhaus
3.2.1 Die vorbereitete Umgebung
3.2.2 Die Leiterin
3.2.3 Die Lerngruppe
3.2.4 Die Begriffe der Freiheit und Disziplin
3.2.5 Das Material und seine Darbietung
3.3 Die Umsetzung der Montessori-Pädagogik heute
3.3.1 Die strukturellen Rahmenbedingungen der Montessori-Pädagogik in Deutschland
3.3.2 Die Montessori-Ausbildung und die aktuelle Umsetzung des pädagogischen Konzepts in der Grundschule

4. Ausgewählte Aspekte der gegenwärtigen Bildungsdiskussion unter Bezugnahme auf die Pädagogik Maria Montessoris

4.1 Die Notwendigkeit einer gezielten (Früh-)Förderung unserer Kinder unter neurologischer und gesellschaftlicher Perspektive
4.1.1 Gegenwärtige Entwicklungstheorien und ihre neurologischen Grundlagen
4.1.2 Welche Bedeutung hat die Frühförderung für unsere Kinder?
4.1.3 Lernen mit allen Sinnen
4.1.4 Selbsttätiges, selbstgesteuertes und selbstentdeckendes Lernen

4.2 Die Schuleingangsphase
4.2.1 Der Übergang vom Kindergarten zur Grundschule
4.2.2 Aktuelle Modelle der Schuleingangsphase
4.2.3 Das Konzept des jahrgangsgemischten Lernens

4.3 Wege in ein verändertes Schulsystem
4.3.1 Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Schule und Kindheit
4.3.2 Die Forderungen nach mehr Bildungsqualität in Kindergarten und Grundschule unter Bezugnahme auf die PISA-Studie
4.3.3 Wie aktuell ist die Montessori-Pädagogik heute noch?

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis