WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
Wir sind umgezogen! Die neue Seite erreichen Sie unter: http://wef-wee.net/de/index.php
Diese Homepage wird nicht mehr gepflegt.
Bitte erneuern Sie ihre Bookmarks.



Prof. Dr. H. Röhrs 90. Geburtstag,
Der "geistige Vater" der
Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH)
und Nestor der deutschen Friedenspädagogik

wurde am 21.Oktober 2005 in der Aula der Alten Universität in der Grabengasse durch eine Akademische Feier und ein wissenschaftliches Kolloquium zur Friedenspädagogik geehrt.

Die ganze Feier in der Alten Aula durchzog die pädagogische Biographie des Jubilars. Die Musikgruppe der Internationalen Gesamtschule Heidelberg stimmte durch ein musikalisches Vorspiel in die Feier ein, die durch Prof. Volker Lenharts Begrüßung der renommierten internationalen Gäste zur Feier wurde.

Prof. Baumann führte in seiner Laudatio in die Biographie von Hermann Röhrs, erinnerte an die Kriegsjahre, die Anfänge auch in Heidelberg, er führte anhand seines Lebenslaufes durch die Universitätsgeschichte Heidelbergs der jüngeren Geschichte. Ein musikalisches Zwischenspiel rahmte die Grußworte von Weggefährten Hermann Röhrs ein, die durch den Film über Röhrs abgerundet wurden. Prof. Kiel (PH Heidelberg/Universität München) und Dr. Neuß (PH Heidelberg) konnten diesen Film, der bedeutende zeitgeschichtliche Pädagogen thematisiert, pünktlich zu Röhrs 90. Geburtstag fertigstellen. So konnte Baumanns Laudatio durch Bild- und Tondokumente an konkretisiert werden.

Dankesworte von Hermann Röhrs an die Anwesenden wurden durch den musikalischen Abschluß der Musikgruppe der IGH beantwortet. Hier wurde die 'Vaterschaft' von Hermann Röhrs gegenüber der IGH deutlich. Dieses schulpraktische gelungene Experiment weist durch ihren Zusatz 'Friedenschule' auf Röhrs aus der eigenen Biographie gezogene Erfahrung, die Frieden als einen anthropologisch-ethischen Prozeß der Humanisierung des Schullebens versteht, ihn sieht als ein Vorgang der Befriedigung des Zu-sich-selbst-Kommens im Sinne der Selbstübereinkunft, der zur Ich-Findung führt. Dieser anthropologische Prozess der Befreiung, der im Zentrum seiner Menschheitsphilosophie steht, ist an den anderen und die für ihn zu tragende Verantwortung gebunden, denn wenn der Mensch in einer zu sichernden Epoche des Weltfriedens ein friedensbereites, friedensfähiges und friedensfertiges Wesen werden soll, dann muss er durch Friedenserziehung- wie sie in der IGH stattfindet- auf diesen Zustand vorbereitet werden. Condition sine qua non ist hierbei das dialogische Prinzip von Martin Buber: "auf den anderen zugehen" kennzeichnet für Röhrs die Grundeinstellung der Friedenserziehung, sie will durch die Freilegung und Förderung des Menschlichen im Menschen ein sicheres Fundament für eine Humanisierung einleiten. Mit diesem hohen anthropologische Anspruch der Friedenserziehung fordert er einen lebenslangen Lern-Prozess, der um so wirksamer ist, je früher er im Erziehungsprozess einsetzt. So wird Friedenspädagogik und Erziehung zum Frieden als zentrale Aufgabe von Schule konturiert. Wie in anderen Modellschulen, die kritische, urteilsfähige Menschen zu erziehen sich zum Ziel gesetzt haben, kann hier 'Schule' zum "Mittler optimalen Lebenswissens, machtvoller Gestaltung modernen Daseins", ja zum "Agent für Innovation" und zum "Katalysator für soziale Wandlungsprozesse" sein.

Die Arbeitsschule, die Erlebnis- und die Reformpädagogik bilden sich für ihn zum Kern einer modernen Weltbildung aus. Mit Fischer, Kerschensteiner und zahlreichen anderen Erneuerern der pädagogischen Bewegung z.B. im 'Weltbund für die Erneuerung der Erziehung' (WEE) fordert er eine Vielfalt von gleichwertigen Studiengängen, Institutionen und Lehrerpersönlichkeiten, die dem Arbeitsunterricht und zugleich dem Erlebnischarakter der emotionalen Erfahrung und der Individualität der Schüler gerecht werden können.

So ist Hermann Röhrs heute als einer der bekanntesten geistesgeschichtliche Pädagogen unserer eigenen Zeit bekannt, und er stellt sich bewusst in die Tradition der Reformpädagogik. Röhrs Name ist den Lehrern und einer weiten Öffentlichkeit vertraut durch seine mehrfach aufgelegten Schritten zu Rousseau und zur "Bildungsgeschichte und Philosophie" (Gesamtausgabe Bd. 13). Weitere Arbeitsfelder des Jubilars nachzulesen ermöglicht seine Gesamtausgabe, die nun in abgeschlossener Buchform vorliegt, sie ist grundlegend für das Studium der modernen Pädagogik: Die "Allgemeine Erziehungswissenschaft" (Bd. l), "Die Schule in der modernen Gesellschaft" (Bd. 2), "Vergleichende und internationale Erziehungswissenschaft", (Bd. 3), "Friedenserziehung" (Bd. 4 und 8), "Sport und Spiel" (Bd. 5), "Die Pädagogik der Dritten Welt", (Bd. 9), die autobiographischen "Erinnerungen und Erfahrungen - Perspektiven für die Zukunft" (Bd. 11), "Die Reformpädagogik und innere Bildungsreform", (Bd. 12) und "Die Studien zur Pädagogik der Gegenwart" (Bd. 14). In seiner Breite des Wissens und Erlebens dürfte es zwischen etwa 1925 und 2000 nur wenige vergleichbare Zeugnisse geben, denn die Erinnerungen beginnen in der Kindheit (Bd. 11), umfassen die Nachkriegszeit und Weimar, das Hitler-Regime, die Studienzeit, den Krieg in Russland aus der Perspektive des Infanteristen und den Aufstieg der zweiten Nachkriegszeit, zuletzt sein Wirken als vergleichender Ernährungswissenschaftler in Hamburg, Mannheim, Marburg, Heidelberg und im 'Weltbund für die Erneuerung der Erziehung' zusammen mit anderen bedeutenden ReformpädagogInnen.

Röhrs friedenspädagogische Bedeutung wurde in den Referaten von PD Dr. Seitz (Universität Hannover) Bildung und Konflikt, Prof. Lenhart Friedensbauende Bildungsmaßnahmen bei bewaffnetenKonflikten und OStD Hammer (IGH ) Die Internationale Gesamtschule- eine Friedensschule; Planung und Realität verdeutlicht und aktualisiert. Die lebhafte Diskussion moderierte Prof. Schiersmann. Auch hier zeigte sich Röhrs als ein feinsinniger und eloquenter Gesprächspartner, dessen Alter von 90 Jahren seine intellektuellen Frische nur noch stärker hervorhob.

Archiv