WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
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1. Einleitung:

Ruth C. Cohn, eine der bedeutendsten Vertreterinnen der humanistischen Psychologie und Begründerin der Themenzentrierten Interaktion, kritisiert in ihrem interessanten Aufsatz mit dem Titel "Zur Humanisierung der Schulen: Vom Rivalitätsprinzip zum Kooperationsmodell mit Hilfe der themenzentrierten Interaktion ( TZI )" die Erziehungsmethoden und das Schulsystem deutscher und amerikanischer Schulen. Ihr wichtigstes Ziel sei die Erziehung zur Demokratie und sozialen Gerechtigkeit. Cohn ist aber überzeugt, daß sie dieses hohe Ziel nicht erreichen können, da der Geist der Schulen vom Rivalitätsprinzip, das wohlmeinende Menschen wie ein unsichtbares und unriechbares Gift vergiftet, geprägt ist.

"Im Erziehungswesen bedeutet dies Rivalisieren um Noten, um bevorzugte Stellung, zuerst um die Gunst des Lehrers, dann in Universitäten, Behörden und Stellungen." (Cohn, Ruth, Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion, S. 154 ). Auf diese Weise verschwinden oft auch letzte Spuren von Gemeinschaftssinn im Klassenleben. Die Schulwelt des Rivalitätsprinzips ist durch das Übergewicht vom Stofflernen gekennzeichnet. Kreativität, schöpferische Arbeit, Individuation der Lehrer und Schüler und vor allem die menschliche Interaktion werden leider vernachlässigt.

Ruth Cohn ist der Ansicht, daß es "unsere Aufgabe ist, einander kennen und miteinander kooperieren zu lernen und diese eine Welt, in der und durch die wir leben, zu pflegen anstatt sie zu zerstören". ( Cohn, Ruth, Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion, S. 153 ). Erziehung im human- demokratischen Sinn bedarf neuer Gedanken und Strukturen. Obwohl dieser Aufsatz 1974 verfaßt wurde, bin ich der Meinung, daß diese Aussagen und die scharfe Kritik heute sehr aktuell sind, da die Prinzipien der "Verdinglichung" und des Rivalisierens immer noch unsere Schulen durchdringen.

Die Themenzentrierte Interaktion bietet eine realisierbare Möglichkeit, um das Schulwesen positiv zu verändern. Die "Gleich- wichtig- Hypothese" der TZI stellt das Fundament jeder humanistischen Theorie und Praxis dar.

Die Ecole d'Humanité, die auf einer wunderbar gelegenen Sonnenterasse des Berner Oberlandes in der Schweiz liegt, spielt eine bedeutende Rolle im Leben der berühmten Ruth Cohn, da sie seit 1974 dort als Consultant Psychologist tätig ist. Sie hat dort die didaktische Schulung der Lehrer geformt und den Mitarbeitern und Schüler(innen) gezeigt, wie sie Probleme, Konflikte und Spannungen lösen können.

Meine Aufgabe liegt darin, in der vorliegenden Arbeit eine Erklärung dafür zu finden, wieso diese erfolgreiche Zusammenarbeit möglich ist, d.h welche Voraussetzungen die Ecole d'Humanité bietet. Dabei steht die Erarbeitung des humanistischen Ansatzes der Ecole und des TZI- Modells im Vordergrund.

Im 2. Kapitel stelle ich das Modell der Themenzentrierten Interaktion und seine Merkmale dar. Dann beschreibe ich im 3. Kapitel die Gründung der Ecole, die pädagogischen Leitgedanken des Gründers Paul Geheeb und wie diese Instution heute funktioniert. Und schließlich berichte ich über Ruth Cohns Arbeit mit ihren Höhen und Tiefen in der Ecole d'Humanité.

École d'Humanité
& TZI


HP: École d'Humanité


Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Das Modell der Themenzentrierten Interaktion

2.1 Anliegen der Themenzentrierten Interaktion

2.2 Methodik
2.2.1 Das Prinzip der dynamischen Balance
2.2.2 Das Ich
2.2.3 Das Wir
2.2.4 Das Es
2.2.5 Der Globe

2.3 TZI- Axiome
2.3.1 Existentiell- anthropologisches Axiom
2.3.2 Ethisch- soziales Axiom
2.3.3 Pragmatisch- politisches Axiom

2.4 Die Postulate
2.4.1 Das erste Postulat
2.4.2 Das zweite Postulat

3. Paul Geheeb und die Ecole d'Humanité in der Schweiz

3.1 Von der Odenwaldschule zur Ecole d'Humanité

3.2 Erziehung zum Frieden. Koedukation, Schülermitbestimmung und Demokratie, Internationalität
3.2.1 Die Erziehung zum Frieden
3.2.2 Koedukation
3.2.3 Schülermitbestimmung und Demokratie
3.2.4 Internationalität

3.3 Die Ecole d'Humanité heute- eine enorm politische Schule
3.3.1 Das Kurssystem
3.3.2 Individualisierender Lehrplan
3.3.3 Familiensystem

4. Ruth Cohns Arbeit in der Ecole d'Humanité

4.1 Die Entscheidung, in der Ecole d'Humanité zu arbeiten
4.2 Der erste Eindruck

4.3 Ruth Cohn TZI- Arbeit
4.3.1 Die Bearbeitung des Dachthemas: Tradition, Reformation in der Ecole
4.3.2 Die Veranstaltung eines Drei- Tage- Workshops
4.3.3 Ecole d'Humanité- eine TZI- Schule?
4.3.4 Armin Lüthi über Ruth Cohns Arbeit

5. Schlußwort

6. Literaturverzeichnis