WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
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6. Ergebnisse und Ausblicke

6.1 Der Birklehof in der Tradition
6.2 Diskussion der Hauptergebnisse und Schlussbetrachtung
6.3 Persönliche Schlussbetrachtung


6.1 Der Birklehof in der Tradition

Die Bestrebungen der deutsche Reformpädagogik vor und nach dem Ersten Weltkrieg werden bis heute als aktuelle Dikussionsgrundlage angesehen.
Ihre ungebrochene Attraktivität zeigt die große Zahl heutiger Reformschulen, die auf entsprechenden Konzepten beruhen, wie Landerziehungsheime, Peter-Petersen- und Waldorfschulen.157

Auch heute sind Anpassungen, Reaktionen auf Veränderungen wichtig.

Diese Veränderungen am Birklehof brechen aber nie mit der humanistischen Tradition, sondern werden nur umgesetzt, um den Ansprüchen der heutigen schulischen, gesellschaftlichen Situation entsprechen zu können.

Den Internaten in Deutschland, und damit auch dem Birklehof, scheint die Verbindung von Werten wie Vertrauen, Gemeinschaftssinn, Freiheit, Achtung des Individuums und dem Einhalten der Regeln im schulischen Lernen gut gelungen zu sein.

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6.2 Diskussion der Hauptergebnisse und Schlussbetrachtung

100 Jahre dauert nun schon die erfolgreiche Entwicklung der Landschulheime; seit dieser Zeit verändert sich, auch im normalen Bildungsalltag, das Verständnis von Schule, Schülern, Lernen und Lerninhalten.
Die Bildungslandschaft wird sich auch weiterhin verändern; die Pisa-Studie allein treibt schon einen großen Stab von Pädagogen, um die Ergebnisse des Schulsystems zu verbessern.

Die Kultusminister diskutieren, favorisieren und verwerfen angedachte Lösungskonzepte.

Eine Frage sollte die Verantwortlichen leiten: was von alledem, was den Schulen und ihren Lehrern künftig zugemutet werden soll, nützt wirklich den Schülern persönlich und auch im Hinblick auf ihre jetzige und vor allem zukünftige gesellschaftliche Mitwirkung?

Zahlreiche pädagogische Experimente, die in den letzten Jahrzehnten im Namen von Effizienz und Chancengleichheit durchgeführt wurden, waren nicht so erfolgreich, wie man sich das erhoffen konnte.
Wichtige Begriffe, die für Inhalte stehen, wie das Lernen lernen, Selbstbestimmung, Selbstentfaltung wurden urplötzlich durch die Präsentation von harten Pisa-Fakten als vernachlässigbar gewertet.
In diesem pädagogischen Gestrüpp hat sich aber ein unauffälliges Gewächs entwickelt, das dem Sturm standhält: die Landschulheimbewegung.
Natürlich erkennen und wissen auch die bildungs- und kulturschaffenden Politiker, dass die Landschulheime Konzepte haben, die heute oder auch gerade heute den Schülern und den gesellschaftlichen Anforderungen eher gerecht werden.

Die Lösung kann nicht darin bestehen, Hunderte von Landschulheimen zu bauen, um die konstatierten Bildungsschwierigkeiten in den Griff zu bekommen.
Wenn man so nicht vorgehen kann, warum soll man nicht von den Landschulheimen lernen können, warum nicht das Beste aus den reformpädagogischen Konzepten übernehmen und aus den Irrtümern Konsequenzen ziehen?

Die Stärken der Landschulheime, wie hier ausgearbeitet, sind so zusammenzufassen, dass man feststellen kann, dass es in diesen Schulen gelingt,

  • eine Ausbildung und Begleitung zu bieten, die geistig und körperlich fordert,
  • eine Erziehung und Bildung in Musik, Theater, Sport, Kunst und Handwerk zu verfolgen,
  • den Anspruch zur verantwortlichen Gestaltung des gemeinsamen Lebens, orientiert am Respekt vor Andersdenkenden und auch an persönlicher Bescheidenheit, einzufordern.

Die Schwierigkeit besteht darin, diese universellen und aktuellen pädagogischen Leitgedanken auf das heutige und hiesige Schulsystem zu übertragen.
So viele Möglichkeiten, soviel Zeit haben wir in Deutschland gar nicht, um Veränderungen einzuleiten.
Ein gangbarer Weg ist, wie oben festgestellt, die Ganztagsschule.
Die Ganztagsschule kann eine entscheidende Institution sein, um Bildung und Erziehung besser persönlich zu vermitteln, soziale Kompetenz entwickeln zu können, Talente zu fördern und Lernschwächen auszugleichen.
Das ist mit „Betreuung“ allein allerdings nicht zu leisten: hinzukommen muss vielmehr ein pädagogisches Konzept, in dem Spiel und Entspannung ebenso zum Zuge kommen wie interessante Anreize, in einem entspannten sozialen Klima etwas Neues zu lernen.
Es ist schade, dass man vermuten muss, dass die aktuelle, pädagogische Alternative, abgeleitet aus den Landschulheimen, sicherlich nicht zum jetzigen Zeitpunkt umgesetzt wird.

Man darf das Reden der Politiker so deuten, dass kein Geld da ist, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, um flächendeckende Ganztagsschulen zu etablieren.

Es scheint so, dass die Erkenntnis, dass die Landschulheime hochaktuelle Lösungsansätze bieten, nicht verantwortungsvoll verwertet wird.
Die Bildung unserer Jugend ist einer unserer höchsten Werte“158, diese Worte hätten von den Reformpädagogen stammen können.
Heute wird so etwas von den Politikern formuliert, um zumindest darauf hinzudeuten, dass man den Bildungsvorrang zwar immer noch anerkennt, aber leider die Mittel fehlen, um Richtiges in die Wege zu leiten.

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6.3 Persönliche Schlussbetrachtung

Schon in der Einleitung habe ich geschrieben, dass ich dem Birklehof nicht nur wegen der Nachbarschaft sehr nahe bin; während der Ausarbeitung war ich mir der Schwierigkeit bewusst, Distanz einhalten zu müssen, um objektiv zu bleiben.
Falls es einmal vorgekommen sein sollte, dass meine Verbundenheit mich vielleicht zu unkritisch oder schwärmerisch gemacht hat, möge man mir verzeihen.
Ich hoffe aber, dass man beim Lesen merkt, dass es mir viel Spaß gemacht hat, diese Arbeit zu schreiben; ich freue mich, dass ich auf diesem Wege meine Erfahrungen einbringen konnte, dass ich das, was ich am Birklehof erlebt habe, objektivieren konnte und so meine Schulzeit für mich noch wichtiger zu machen als sie ohnehin schon war, zumal ich viele mir ans Herz gewachsene Menschen am Birklehof kennen, schätzen und lieben gelernt habe.


Fußnoten:

157 http://hrz.uni-paderborn.de/

158 http://www.spd-bildungsserver.de/schule/ganztagsschulentwicklung_hh.htm

Birklehof


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Meine Vorgehensweise
1.3 Quellenlage

2. Landerziehungsheime & Reformpädagogen
2.1 Die Ursprünge der Landerziehungsheimbewegung
2.1.1 Ursprünge der Landerziehungsheime in England
2.2 Geschichte der Landerziehungsheime in Deutschland
2.2.1 HermanLietz
2.3 Reformpädagogen der Landerziehungsheimbewegung
2.3.1 Kurt Hahn
2.3.2 Georg Picht

3. Die Geschichte und Konzeption des Birklehofs
3.1 Der Birklehof von1932 bis 1945
3.1.1 Aufnahmekriterien für Schüler
3.1.2 Schülerschaft
3.1.3 Lehrer Erzieher
3.1.4 Pädagogisch-didaktische Grundkonzeption und Schulalltag
3.1.5 Schulregeln
3.1.6 Unterricht und Sport
3.1.7 Musik und Veranstaltungen
3.2 Der Birklehof im zweiten Weltkrieg und nach 1945
3.3 Der Birklehof von 1945 bis heute

4 Überprüfung der Aktualität in Bezug auf die gegenwärtige Situation am Birklehof
4.1 Schülerschaft
4.2 Bewertung der Belegungszahlen der LEH, im Besonderen des Birklehofs
4.3 Leben und lernen heute am Birklehof
4.4 Das Internat
4.4.1 Arbeitsgemeinschaften und Dienste
4.4.2 Tagesablauf eines Internatsschülers
4.4.3 Regeln im Internatsleben
4.4.4 Leben auf Zimmern, Flügeln und Gängen
4.5 Lernen am Birklehof
4.5.1 Lehrer – Mentoren – Hauserwachsene
4.5.2 Musik
4.5.3 Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Arbeit
4.6 Neue Medien

5 Aktuelle Aspekte der Landerziehungsheimbe- wegung
5.1 Befragung externer Schüler und ehemaliger externer Schüler
5.1.1 Auswertung der Ergebnisse der Befragung der externen Schüler und Altbirklehofer
5.1.2 Bewertung der Befragung
5.2 Auswirkungen von Pisa und eine Einschätzung des Birklehofs in Bezug auf Pisa
5.3 Mögliche Parallelen zwischen dem skandinavischen Modell und der Methodik am Birklehof.
5.3.1 Aktuelle Diskussion über Ganztagsschulen
5.4 Gründe, die Kinder damals wie heute dazu bewegen ein Internat zu besuchen
5.5 Der äußere Rahmen des Birklehofs

6 Ergebnisse und Ausblicke
6.1 Der Birklehof in der Tradition
6.2 Diskussion der Hauptergebnisse und Schlussbetrachtung
6.3 Persönliche Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis
Sekundärliteratur
Internetquellen
Zeitschriftenaufsätze
Filme
Interviews

8 Anhang