WEE-WEF : Weltbund für Erneuerung der Erziehung - World Education Fellowship
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5. Aktuelle Aspekte der Landerziehungsheimbewegung

5.1. Befragung externer Schüler und ehemaliger externer Schüler
Auswertung der Ergebnisse der Befragung der externen Schüler und Altbirklehofer
Bewertung der Befragung
5.2. Auswirkungen von Pisa und eine Einschätzung des Birklehofs in Bezug auf Pisa
5.3. Mögliche Parallelen zwischen dem skandinavischen Modell und der Methodik am Birklehof.
Aktuelle Diskussion über Ganztagsschulen
5.4 Gründe, die Kinder damals wie heute dazu bewegen ein Internat zu besuchen
5.5 Der äußere Rahmen des Birklehofs


5.1. Befragung externer Schüler und ehemaliger externer Schüler

Aktuelle Auskünfte von Schülern zu bekommen, ob es für sie richtig war, die Schule Birklehof oder ein staatliches Gymnasium zu besuchen, war Ziel der Befragung.
Ich habe mich, nachdem ich einige Personen mit Diktiergerät interviewt habe, dazu entschlossen, einen Bogen mit drei schriftlichen Fragen zu erstellen, die durch Ankreuzen zu beantworten waren.
Befragt wurden Schüler, die den Birklehof als Externe119 besuchen, und Altbirklehofer.120
Bei den Externen, die den Birklehof momentan besuchen, wurden Schüler der Klassen sechs bis zwölf befragt.
Die Befragung fand sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen statt.
Die Bedingungen am Birklehof, unter denen Externe heute und Altbirklehofer die Schule besucht haben, sind bis auf den Schulleiterwechsel am 12. Juli 2002 und die damit verbundenen Neuerungen, gleich geblieben.
Die Schüler der oberen Stufen haben den Birklehof also unter der Leitung von zwei verschiedenen Direktoren erlebt, wogegen die Altbirklehofer die Schule unter Herrn Plessing (ehemaliger Schulleiter) besuchten und die unteren Klassen unter Herrn Laumont(jetziger Schulleiter).
Die Fragen zielten nicht auf die Bewertung des Birklehofs hinsichtlich der Wissensvermittlung oder irgendwelcher pädagogischer Inhalte ab.
Die Fragen sollten eine gespeicherte Stimmung abrufen, sollten eine Antwort geben, ob man sich am Birklehof wohlfühlt oder -gefühlt hat.
Die Fragen waren so ausgesucht, dass spontan geantwortet/angekreuzt werden konnte.
Die Aussagen können als Beleg für die Attraktivität und Beliebtheit oder für die Ablehnung des Birklehofs herangezogen werden.


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5.1.1 Auswertung der Ergebnisse der Befragung der externen Schüler und Altbirklehofer

Die Auswertung der Fragen war nicht schwierig:

  • Zu Frage 1121.
Die Beantwortung, warum man an den Birklehof gegangen sei, bezogen sich fast ausschließlich auf die vier erstaufgeführten Ankreuzmöglichkeiten.
Von den zwanzig Befragten gingen
3 wegen der Freunde
5 wegen der kleinen Klassen
8 wegen der Nähe
2 wegen der Eltern
2 Sonstiges
Interessant ist hier festzustellen, dass das Birklehofkonzept in keinem Fall den Ausschlag für die Auswahl der Schule gab.
Bei der Frage 1. war nur eine Einmalnennung möglich; es sollte nur das Hauptargument herangezogen werden.

  • Zu Frage 2
Die Frage, ob sich die Erwartungen erfüllt haben, wurde von fast allen mit „Ja“ beantwortet.
Eine abweichende Antwort gab es: Hier wurde eine persönliche Enttäuschung für die Unzufriedenheit formuliert.

  • Zu Frage 3
Die Kernfrage, ob man wieder auf den Birklehof gehen würde oder sein Kind auf den Birklehof schicken würde, wurde sehr eindeutig von fast allen mit „Ja“ beantwortet.
Eine abweichende Antwort gab es hier.

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5.1.2 Bewertung der Befragung

Die Bewertung der Fragen122 lässt nur den Schluss zu, dass die befragten Schüler auf dem Birklehof sich jetzt sehr wohl fühlen, und die Ehemaligen müssen sich sehr wohl gefühlt haben.
Die Antworten beweisen, dass das Konzept der Schule stimmt, dass hier etwas umgesetzt wird, das Schüler begeistern kann.
Die Antworten zeugen von einer Wärme für diese Schule und einer Identifikation, die auf einer Staatsschule so wohl nicht gegeben ist.

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5.2 Auswirkungen von Pisa und eine Einschätzung des Birklehofs in Bezug auf Pisa

Der Birklehof hat an der Pisa-Studie nicht teilgenommen.
Ich habe die Schulleitung im Rahmen einer Befragung123 gebeten, die Schule in Bezug auf die Ergebnisse von Pisa einzuschätzen.
Durch meine eigenen Erfahrungen an der Schule weiß ich, dass am Birklehof nicht nur der Notendurchschnitt am Ende des Schuljahres betrachtet wird, sondern die gesamte Entwicklung des Schülers.Meine Erfahrungen wurden mir auch von dem heutigen Leiter der Schule, Herrn Laumont bestätigt.
Das Ziel des Birklehofs ist es nicht ausschließlich, am Ende des Jahres die Schule mit dem besten Abiturdurchschnitt zu sein.
Der Birklehof nimmt nicht nur Schüler auf, die auch auf staatlichen Schulen auffallend gute Ergebnisse präsentiert haben. Es würde dem Konzept in keiner Weise entsprechen, würde man die Schüler, die einen gewissen Notendurchschnitt nicht erreichen, nicht aufnehmen.
Die Veränderungen im Bildungssystem gehen allerdings nicht spurlos am Birklehof vorüber.
Die Situation in den Schulen nach Pisa ist angespannt, der Leistungsdruck steigt, und weitere Vergleichsstudien werden folgen.
Der Birklehof wird sich diesen Anforderungen auch stellen müssen und sie mit dem Konzept eventuell in Einklang bringen müssen, wenn es gefordert wird.
Seit Pisa werden Privatschulen aller Art stärker frequentiert.124
Eine Ausbildung nach dem staatlichen deutschen Schulsystem scheint heute international nicht mehr auszureichen.
Die Pisa-Gewinner haben andere Systeme in ihren Schulen und Ländern verwirklicht, als das in Deutschland üblicherweise der Fall ist.
Es ist hier nicht Aufgabe, die Pisa-Studie zu bewerten, ob hier eventuell ein Bildungsbegriff verwendet wird, der dem humanistischen, reformpädagogischen Ansatz noch folgt oder einem Industrieanspruch.
Tatsache aber ist, dass die Politik, auch verantwortlich für die Bildung, nach dem schlechten Abschneiden in der Studie ihre Aufgabe darin sieht, Bildungsstandards nach Pisa neu zu definieren.
Da die Bildungsminister die Bildungspläne, die auch für Landschulheime bindend sind, vorgeben, muss hier untersucht werden, inwieweit staatlich anerkannte Internatsschulen die Leitideen zur Verbesserung der Lerninhalte gemäß Pisa umsetzen oder schon immer umgesetzt haben.
Hier könnte die große Chance der Landerziehungsheime liegen. Die Konzepte, die vor rund hundert Jahren angedacht worden sind, werden zum größten Teil noch umgesetzt und haben ihren universellen Charakter anscheinend nicht verloren.
Wenn heute Bildung gefordert wird, die zwar evaluierbar sein soll und gleichzeitig Schulen gut abschneiden, die ein Alternativprogramm bieten, das heißt bei denen nicht nur Lesen und Rechnen benotet werden, dann muss man den gewollten Zustand als eine Erziehung hin zu einem denkenden und wissenden Menschen, der sein Wissen verknüpfen und anwenden kann, interpretieren.
Ob die Ziele durch die Veränderungen in staatlichen Schulen realisiert werden können, wird sich zeigen, die Landerziehungsheime haben sich schon lange auf den Weg gemacht, diese Ziele zu erreichen, weit bevor es Pisa gab, und haben die besseren äußeren Bedingungen um den Anforderungen gerecht zu werden.
Durch Vergleiche wie Pisa erhöht sich der Druck auf die Bundesländer, die einzelnen Schulen, jeden Lehrer, jeden Schüler, und besonders auf die Schulen, die in diesem Fall teuer bezahlt werden und Besonderheiten in allen Bereichen zu bieten haben müssen.
Es wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, an einem Internat das Abitur des Landes Baden-Württemberg zu machen zu können.125
Eltern werden nach Ergebnissen der Leistungsvergleiche und nach dem Notendurchschnitt fragen und die Wahl des Internats stärker von diesen Faktoren abhängig machen, als das bisher der Fall war. Eine Transparenz und Abprüfbarkeit des Erlernten wird gefordert werden.

Hier stehen der Birklehof und bestimmt auch andere Schulen und die neue Bildungsreform vielfach konträr zueinander: Kinder in alternativen Schultypen können eher Pisa-gemäß antworten, weil sie doch besser gelernt haben, ihr Wissen zur Lösung einzusetzen, weil es in ihrer Schule nicht nur den schnellen Weg zur einzig richtigen Lösung gab.126
Schule sollte sich nicht darauf reduzieren auf den nächsten Vergleich, den nächsten Test vorzubereiten.
Schüler sollten nicht ab der fünften Klasse an ihre berufliche Karriere denken müssen.127 Der Druck in den USA und auch in Großbritannien wächst ständig, und gute Schulnoten reichen schon lange nicht mehr aus, um hier an den Eliteuniversitäten aufgenommen zu werden.128
Am Birklehof habe ich keine negativen Antworten bekommen, wenn ich nach Pisa und Bildungsreform gefragt habe.

  • Frau Matthei schätzt die Lage am Birklehof nach Pisa durchaus positiv ein, da vieles von dem, was gefordert wird, am Birklehof schon lange umgesetzt wird. Durch die Komprimierung der Gymnasialzeit auf acht Jahre und die höheren Ansprüche müssten allerdings auch am Birklehof Abstriche bei den Nachmittagsaktivitäten gemacht werden, um die Stundenzahl unterbringen zu können.129
Woran scheitern deutsche Schüler bei internationalen Vergleichsstudien?
„Sie haben, kurz gesagt, Schwierigkeiten zu verstehen, wie das, was sie gelernt haben, mit den Testaufgaben zusammenhängt, die ihnen gestellt werden. D.h. sie können auch dann, wenn sie gelernt haben, was sie sollen, die erworbenen Kenntnisse schwer in ähnlichen Situationen anwenden.“
130
Selbst Studenten ist es schwer gefallen die Aufgaben zu lösen; als Begründung gaben sie an, dazu erzogen worden zu sein, das zu lernen, was verlangt wurde, und das sei bei den Pisa-Aufgaben nicht der Fall gewesen.
Wenn sie bei den kommenden internationalen Vergleichsstudien besser abschneiden wollen, müssen deutsche Schüler also lernen, wie sie ihr erlerntes Wissen anwenden und auf andere Themengebiete übertragen können.
Pisa bietet die Chance, die Wissensvermittlung weg von den starren katalogisierten Inhalten hin zur Transferfähigkeit des Wissens umzustrukturieren.
Um die Chancen von Pisa zu nutzen, muss viel passieren:
Die Lernbedingungen müssen dahin gehend verbessert, werden, dass intensiver zu einzelnen Themen gelernt wird.131 Dafür müssen die Themen intensiver behandelt werden.
Betrachtet man die Situation an der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die zum Teil noch bessere Ergebnisse als Finnland und Japan erzielen konnte, wird deutlich, dass dies hier schon Schulalltag ist.
Hierzu die Schulleiterin der Helene-Lange-Schule: „Wir haben Themen ausgewählt, die sich für einen exemplarischen Unterricht eignen. So beschäftigen sich die Schüler in Geschichte intensiv mit den Römern, statt durch sämtliche antiken Hochkulturen durchzujagen. Sie begreifen an einem Beispiel, wie eine Hochkultur entsteht, wie ihr Niedergang zu erklären ist und wodurch sie bis heute weiterwirkt. Wichtig ist nicht das Anhäufen von Wissen, sondern das Anwenden des Gelernten und die Erinnerung daran.“132
  • Die Schüler sollen begreifen, warum sie sich die Mühe machen sollen sich intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Durch die Auseinandersetzung mit den Inhalten und der Gewissheit, dass das Thema nicht in zwei Wochen abgehakt ist, haben die Schüler die Möglichkeit sich als kleine „lösungskompetente Experten“ in diesem Bereich zu etablieren. Die Schüler wissen, dass ein Thema länger als zwei Wochen bearbeitet wird und dass sie es nicht umgehen können. Durch die intensive Beschäftigung werden die Kinder zu kleinen Spezialisten und haben das Gefühl sich auszukennen; die Leistung wird von Außenstehenden honoriert.

  • Schüler sind motivierter, wenn sie sich selber Wissen (Internet, Bibliotheksrecherchen, usw.) aneignen können. Es entsteht nicht der Eindruck, dass sie das, was der Lehrer schon alles kopiert und bereit gestellt hat, auswendig lernen, sondern dass sie selber in der Lage sind, sich zu informieren.

Der Projektunterricht dieser Art wird nur dann Sinn machen, wenn die Inhalte dieses Unterrichts bei den Schülern in ein Vorwissen eingegliedert werden können. Erarbeitet man selbstständig oder mit dem Lehrer ein Thema und kann dieses nicht mit dem Vorwissen verknüpfen, so wird die schönste Projektarbeit bald in Vergessenheit geraten sein.
Vergleicht man die Situation am Birklehof mit den Arbeitsgemeinschaften, Schülermentoraten, Haussprechern usw. werden die Parallelen deutlich.

  • Die gute Ausgangsposition des Birklehofs:
Vieles was bisher beschrieben wurde, wird am Birklehof schon umgesetzt:
„Es gibt gut vorbereitete Projekte, viele Möglichkeiten, Eigeninitiative zu entfalten, Unterstützung, Rückmeldung, Anerkennung von Lernprozessen. Exemplarisches Lernen und Bemühung um vertieftes Verständnis gehören seit Pichts Zeiten zum pädagogischen Grundverständnis des Birklehof. Die Verknüpfung von Schule und Internet ist eine Quelle von Möglichkeiten, lebensnahe, alternative Lernsituationen zu schaffen und zu nutzen.“
133
Sicherlich gibt es auch hier noch genug zu tun, von den Ergebnissen der angelsächsischen Schulen sind auch die Ergebnisse der Landerziehungsheime weit entfernt.
„Der Birklehof kann eine Antwort auf die Pisa-Krise bieten, wenn er die Möglichkeiten verwirklicht, über die er verfügt und dauerhaft realisiert, was in ihm angelegt ist. Wenn er dies tut, dann wird derBirklehof zu der Schulreform beitragen, die sich am Horizont ankündigt und die die Form eines kulturellen Wandels annehmen könnte.“
134

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5.3 Mögliche Parallelen zwischen dem skandinavischen Modell und der Methodik am Birklehof.

Nach Pisa richten sich die Blicke nach Norden – nach Skandinavien – was wurde dort besser gemacht als in Deutschland?
Deutsche Pädagogen pilgern seit dem Pisa-Schock erlösungsbedürftig nach Finnland, einem der Pisa-Gewinner, um Antworten zu finden.135
Betrachtet man die Geschichte der finnischen Bildungspolitik, so werden die Unterschiede zu Deutschland schnell sichtbar. In Finnland sind ständige Umstrukturierungen in der Bildungsreform seit 40 Jahren zu beobachten.
Die Lehrpläne heißen vielmehr Lernpläne und werden so formuliert, dass sie für alle Schüler, Lehrer und Eltern zu verstehen sind.
Die Eltern spielen im finnischen Schulsystem eine wichtige Rolle und erhalten so Zugang zu den Inhalten.
Die Bildungsstandards sollen keine konkreten Vorschriften zur Realisierung machen, sie sollen die Schulen vielmehr dazu anregen, sich Gedanken zu Lehrplänen zu machen. Als oberste Maxime gelten:
„Respekt und Teilhabe und Lernfähigkeit in der globalisierten Welt.“
136
Dafür wird dann im nächsten Schritt die geeignete Lernumgebung skizziert.
Verlangt werden eine „gute Ästhetik der Schulen“ sowie „psychische und soziale Geborgenheit.“ Entscheidend ist die „Wechselwirkung zwischen Lehrern und Schülern sowie unter den Schülern zu fördern.“137
Die Lern-Lehrpläne werden unter besonderer Berücksichtigung der schwachen Schüler erstellt.
In jeder finnischen Schule sind neben den Lehrern Sonderpädagogen, Sozialarbeiter, Psychologen, Beratungslehrer und Kuratoren da, die sich darum kümmern, dass sich die Schüler wohl fühlen.

Betrachtet man im Vergleich den Birklehof, an dem auch eine Schulpsychologin sowohl für Kinder als auch für Lehrer jederzeit ansprechbar ist, werden erste Parallelen deutlich.
Auch dass der Lehrplan individuell umgesetzt wird, ist am Birklehof in manchen Gebieten zu erkennen. Der Birklehof nimmt sich extra Stunden, um Themen zu vertiefen oder Projekte wie die Spielstunde in Klasse 5 und 6 realisieren zu können.
In Finnland gibt es heute so gut wie keine Sonderschulen mehr. Leistungsschwache Kinder werden in den Unterrichtsalltag integriert und erhalten Nachhilfeunterricht.
Auch an den LEH werden nicht nur Einserkandidaten aufgenommen, ein Zusammenwirken von Schülern aus allen Leistungsbereichen gehört auch hier zum Konzept. Jede Schule hat in Finnland ihr eigenes Profil, wie es auch bei den Landerziehungsheimen der Fall ist.
Der wohl größte Unterschied liegt im Aufbau des Schulsystems.138 Die Schüler gehen alle gemeinsam bis zur neunten Klasse in die Integrierte Gesamtschule, die bereits 1970 eingeführt wurde. Sie werden in fast allen Fächern vom Klassenlehrer unterrichtet, und haben somit eine konstante und ruhige Lernsituation in den Klassen. Der Abschluss erfolgt nicht durch eine Prüfung, sondern wird an den Noten festgemacht. Danach ist es möglich, das Gymnasium oder verschiedene Berufs- oder Fachschulen zu besuchen. Die Evaluation der Schulen spielt aufgrund ihrer Individualität eine große Rolle. Die Schulen werden untereinander verglichen, und die Schulen werden auch von den Lehrern und Schülern bewertet.
Am Birklehof sitzen die Schüler mit in den Gremien, die über Veränderungen der schulinternen Politik entscheiden, bewerten so die Verhältnisse an der Schule und bringen Verbesserungsvorschläge aus Schülersicht ein.
Was bei der Betrachtung der Ergebnisse aus Finnland und einem Vergleich mit den deutschen Schulen nicht fehlen darf, sind die Rahmenbedingungen, unter denen die Tests absolviert wurden.

  • In finnischen Schulen sind nur Kinder, die die Landessprache beherschen, ausländische Kinder werden in speziellen Schulen unterrichtet.
  • Finnisch wird völlig fonetisch geschrieben.
  • Der finnische Satzaufbau erfordert nicht, dass man den Satz bis zum letzten Wort lesen muss, um ihn zu verstehen.
  • Alle ausländischen Fernsehbeiträge werden im Originalton mit finnischem Untertitel ausgestrahlt: so wird spielerisch das sinnerfassende Lesen intensiv geübt.139
Diese Relativierung der Ergebnisse soll nicht heißen, dass man von dem finnischen System nicht lernen könnte. Allein schon die Wertschätzung des Bildungssystems, sowohl bei Erwachsenen (insbesondere bei den Lehrern) auch bei den Jugendlichen, wirkt sich positiv auf die Lernsituation aus.
Auch am Birklehof schätzen sich sowohl die Schüler als auch die Lehrer als besonders ein. Diese Einschätzung resultiert nicht aus der zum Teil extravaganten Klientel, sondern wird auch immer wieder von Außenstehenden (z.B. Prüfern, die an die Schule kommen) so gesehen.
Wenn man in einem Rahmen lernt, in dem nicht permanent an den äußeren (bildungspolitischen) Bedingungen genörgelt wird, fällt es Schülern leichter, sich auf Schule einzulassen.

Frau Matthei, hat die positiven Aspekte eines anderen skandinavischen Bildungsmodells in Norwegen durch ihre Tätigkeit als Lehrerin und Erzieherin kennen gelernt. Die Konzentration auf Lerninhalte sei wesentlich geringer, als das in Deutschland der Fall sei. Die Schüler seien freier, da sie nicht stringent auf ein Ziel hin lernen würden, sondern die Themen allgemeiner im Zusammenhang lernen würden.
„Die Schüler fragen nicht: was müssen wir für die Arbeit wissen, was kommt genau dran? Kognitives Wissen steht in Deutschland im Vordergrund, die Eigenleistung des Schülers wird von dem abhängig gemacht, wie viel ihm der Lehrer sagt.“140
Auch sei ihr nach dem Aufenthalt in Norwegen die Einrichtung und Atmosphäre der Schulen hier zu Lande zu spartanisch und unpersönlich vorgekommen.
Wenn Aktualität gefordert ist, dann können gemäß meinen Ausführungen die Kriterien der Pisa-Studie dazu herhalten, um gerade den Birklehof her zu nehmen um festzustellen, dass hier schon vieles umgesetzt ist, was andere Pädagogen für ihre Schulen noch fordern. Von daher muss als Teilergebniss hier schon als herausgearbeitet gesehen werden, dass der Birklehof nicht nur aktuell, sondern hochaktuell und modern ist.

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5.3.1 Aktuelle Diskussion über Ganztagsschulen

Die Bundesregierung investiert in eines der größten Bildungsprogramme, das es je in Deutschland gab. Ganztagsschulen sollen dazu beitragen, dass Deutschland „ [...] in zehn Jahren wieder an der Weltspitze [...]141 ist. Betrachtet man die Anforderungen an die Ganztagsschulen, wird deutlich, welche Parallelen es zu den Landerziehungsheimen gibt.
In den Landerziehungsheimen werden Kinder, die die Schulen als Interne besuchen, rund um die Uhr betreut.
Seit den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts wächst die Zahl der Familien, in denen beide Elternteile erwerbstätig sind und die Zahl der alleinerziehenden Elternteile stetig.
Daher wird auch die Nachmittagsbetreuung der Kinder, sowohl in Kindertagesstätten als auch in Ganztagsschulen, von fast niemandem in Frage gestellt.
Der geringere Anteil der Schüler, die ein Internat besuchen, zeigt, dass nur ein verschwindend kleiner Prozentsatz der Eltern in Deutschland für eine Unterbringung ihrer Kinder in einem Landerziehungsheim aufkommen kann oder möchte.
Immer mehr „Schlüsselkinder“ sind an den Nachmittagen auf sich selbst gestellt. Daher wird die Einführung/Intensivierung der Ganztagsschulen immer häufiger gefordert.
Laut einer Umfrage des Instituts für Schulentwicklungsforschung (IFS) befürworten heute mehr als die Hälfte der Deutschen, dass im großen Maßstab Ganztagsschulen eingerichtet werden. Die Pisa-Ergebnisse werden der Forderung weitere Schubkraft verliehen haben.142
„Darüber hinaus eröffnen sich für die Schülerinnen und Schüler in der Ganztagsschule durch die zusätzlich zur Verfügung stehende Zeit mehr Möglichkeiten, ihren spielerischen, musischen, handwerklichen und sportlichen Neigungen nachzugehen und gemeinsame Erfahrungen mit der Bewältigung von Problemen zu sammeln als dies in der Halbtagsschule möglich ist. Zugleich gibt es größere Freiräume für Epochenunterricht, Projektunterricht, praktisches Lernen, außerschulische Lernorte, Gruppenarbeit.“143
Auch in den Ganztagsschulen will man verstärkt auf das Interesse der Kinder bauen, sich mehr Zeit nehmen und jedem Schüler die Möglichkeit geben sich zu spezialisieren.

Liest man die folgenden beiden Sätze, könnte man denken, dass es sich um einem Auszug aus dem Konzept des Birklehofs handelt:
„Der ganze Mensch und seine individuellen Neigungen stehen im Fokus des schulischen Konzepts. Ein umfangreiches Angebot an zusätzlichen Aktivitäten gibt jeder Schülerin und jedem Schüler die Möglichkeit seine besonderen Fähigkeiten zu entdecken und zu entfalten.“144
Nicht Kurt Hahn hat diese Sätze formuliert sondern sie wurden im Zusammenhang mit den geplanten Ganztagsschulen veröffentlicht.
Das Konzept, das sich einige Reformpädagogen in den letzten beiden Jahrhunderten ausgedacht haben, erweist sich heute immer noch als erstrebenswert und aktuell.

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5.4 Gründe, die Kinder damals wie heute dazu bewegen ein Internat zu besuchen

Seit Kurt Hahns Zeiten ist zu beobachten, dass Kinder aus den verschiedensten Teilen der Welt die Schule im Schwarzwald besuchen.
Die Gründe für diesen Aufenthalt, der in manchen Fällen über neun Jahre andauert, sind vielfältig. Viele Schüler kommen an den Birklehof, weil sie das Leben in einem Internat spannend und abwechslungsreich finden.
Die Anzahl der Schüler, die wegen Problemen, schulischer oder privater Art, an den Birklehof kommen, ist hoch.
Schüler, die auf eine höhere Schule gehen, sind die längste Zeit in der Pubertät. Ein Lebensabschnitt, in dem das Zusammenleben mit den Eltern oft zum Problem wird. Bei vielen Schülern, die wegen familiärer Differenzen auf ein Internat gehen, entspannt sich die Situation, sobald die räumliche Distanz geschaffen wurde.
Diese Problematik wird wohl immer aktuell bleiben und somit zu den häufigsten Gründen zählen, warum Schüler ein Internat besuchen.
Die Zahl der geschiedenen Ehen wächst in Deutschland stetig. Oft ist das Internat eine gute Lösung für Scheidungskinder. Sie müssen sich nicht entscheiden, bei wem sie es vorziehen zu leben.
Viele Schüler haben Probleme in der Schule und erhalten an einem Internat die Möglichkeit neu anzufangen. Hat man erst einmal den Ruf, ein schlechter Schüler zu sein, ist es oft sehr schwierig, dieses Bild zu revidieren.
An staatlichen Schulen sind die Klassen wesentlich größer und die Gefahr, dass ein einzelner Schüler „untergeht“ ist viel größer als in Klassenverbänden mit bis zu maximal 25 Schülern.
Kinder werden genauer beobachtet, und man hat als Pädagoge die Mittel und die Zeit sich mit dem Einzelnen zu befassen.
Die Lehrer sprechen sich untereinander ab, die Stärken des Schülers werden gefördert und bei Problemen besteht die Möglichkeit, Nachhilfe zu bekommen.
Ein Schüler des Birklehofs beschreibt sein Leben am Birklehof so: „Kein Magengrummeln mehr, Druck und Angst sind verflogen [...]. Hier werden meine Fähigkeiten gefördert, ich gehe nicht in der Masse unter.“145
Probleme in der Klassengemeinschaft werden diskutiert und können aufgrund der überschaubaren Situation vom Lehrer wahrgenommen werden.
Die Klasse muss sich immer wieder auf neue Schüler einstellen.
Unter Punkt 4.5.1 wird die Integration teilweise als Unruhe stiftend beschrieben, ständig müssen sich Schüler und Lehrer auf neue Lernvoraussetzungen einstellen. Dieser Faktor ist nicht nur negativ zu sehen.
Ausgrenzungen, Hänseleien gibt es am Birklehof im Unterricht so gut wie gar nicht. Die Kinder und Jugendlichen wissen selbst noch zu gut, wie sie sich in den ersten Tagen gefühlt haben und dass es hilfreich war, dass Rücksicht genommen wurde. Diese angenehme Arbeitsatmosphäre wirkt sich auch positiv auf die Lehrer an Landerziehungsheimen aus. Sie sind wesentlich weniger krank als die Kollegen in manchen staatlichen Schulen. Vorteile haben dadurch wiederum die Schüler, da der Unterrichtsausfall geringer ist.146
Der enge Kontakt zwischen Lehrern und Schülern wirkt sich positiv auf das gesamte Zusammenleben aus.
Agression und Gewalt sind häufig Themen an Schulen. Nach Aussagen der Schüler und des Internatsleiters sind das keine Probleme, die der Birklehof hat.
„In zwei Jahren habe ich eine Auseinandersetzung erlebt, bei der Gewalt angewendet wurde.“
147
Auch das Problem, viele ausländische Schüler am Birklehof zu haben, die aufgrund von Sprachbarrieren, Kultur usw. schlecht zu intergrieren seien, gibt es nicht.

Der Einfluss der Medien ist auch bei dem Wunsch ein Internat zu besuchen, nicht zu unterschätzen.
Der im Moment wohl berühmteste Internatsschüler der Medien ist der Zauberer Harry Potter. Die Kinder sehen das Zusammenleben von den Zauberlehrlingen in der Gemeinschaft ohne Eltern und an einem Ort, an dem es nicht langweilig wird.
In der Vergangenheit haben Romanfiguren wie Hanni und Nanni oder Heimatfilme die Idylle vom Internatsleben in die Kinderzimmer gebracht. Das Thema wird in verschiedenen Beiträgen schülergerecht aufgearbeitet und durch Dokumentationen dargestellt, da das Interesse der Kinder nach wie vor da ist.148
Das Austauschprogramm, das bereits im Zusammenhang mit Kurt Hahn vorgestellt wurde, ist eine einzigartige Organisation, an der nur Schüler von Round-Square-Schulen teilnehmen können.
Internationalität und Sprachkenntnisse gehören heute zu einer guten Ausbildung. An den Internaten, die dem Round-Square Projekt angehören, besteht die Möglichkeit, für eine befristete Zeit eine andere Schule irgendwo auf der Welt zu besuchen, die ebenfalls an diesem Projekt beteiligt ist.
Für viele ist dieser Austausch ein gelungener Kompromiss, da die Schüler nicht für ein ganzes Jahr oder die gesamte Schulzeit im Ausland sind, sondern nur einige Monate und trotzdem Einblicke in die Kultur der Länder bekommen, die Sprache lernen und sich weit weg von den Strukturen des eigenen Internats profilieren müssen.

Der Besuch eines Internates wird heute in der Gesellschaft anders gesehen als es zu Beginn des Birklehofs war. Zwar „[...] müssen die privaten Institute immer noch gegen das Klischee kämpfen, ihre Ausbildung sei besserer Nachhilfeunterricht für dumme Reiche, Reiten auf dem Ponnyhof inklusive“149, doch die Tatsache, dass die Lehrpläne, Abschüsse und Anforderungen der Landerziehungsheime mit den staatlichen übereinstimmen, zeigt, dass hier nicht weniger verlangt wird.
Internate haben den Ruf, und wollen diesen auch haben, elitäre Schulen zu sein. Die Innen- und Außensicht stellt jedoch eine unterschiedliche Auffassung dar.
Internate sind teuer und das Schulgeld, das monatlich für die Unterbringung aufgebracht wird, übersteigt das Einkommen vieler Familien.
Die Internate und deren Klientel sehen die Unterschiede nicht nur in der 24-Stunden-Betreuung, sondern in allen Bereichen des schulischen Lebens in einer Gemeinschaft.
Schüler werden nicht nur nach der Größe der Brieftasche ausgewählt. Charakterliche Stärken sind relevanter bei der Vergabe der Stipendienplätze.150
Das Zusammenkommen von Kindern unterschiedlichster Herkunft, Lernvoraussetzungen und Nationalitäten ist seit Bestehen der LEH wichtiger Bestandteil des Konzepts. Kinder lernen voneinander und aufeinander Rücksicht zu nehmen.
Das Internat will Gesellschaftsmitglieder aus allen sozialen Schichten beherbergen um eine optimale Vorbereitung auf das Leben zu erzielen.

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5.5 Der äußere Rahmen des Birklehofs

  • Lage der Schule
Die Schule liegt auf den Gemarkungen Hinterzarten und Breitnau, beide Gemeinden sind also für das Gebiet zuständig.
Der Kurort Hinterzarten liegt zwischen 740 und 1 400 m. ü. M.151 inmitten einer weiten Hochfläche zwischen dem schroffen und steilen Westschwarzwald und dem flach abfallenden, eher dunklen Ostschwarzwald.
Luftschnapper nannte man die ersten Sommerfrischler scherzhaft, die 1850 nach Hinterzarten kamen.
Heute gehört der bekannte heilklimatische Kurort mit dem ländlichen Charme zu den bedeutendsten Ferienzielen im Schwarzwald. Größtes Kapital von Hinterzarten ist seine Lage: auf einer weiten Hochfläche, inmitten von lichtdurchfluteten Wäldern und blühenden Wiesen, ruhig und abseits vom Verkehr gelegen.152
Der Birklehof liegt auf ungefähr 900 m. ü. M, am Rande des Abrisses zum Höllental.
Diese besondere Lage des Birklehofs macht es möglich, das Konzept mit vielen Freizeitangeboten, der Ruhe und Abgeschiedenheit des Schwarzwaldes in einem optimalen Rahmen umzusetzen.
Die Schüler können sich darauf freuen im Winter Skifahren zu können, da durch die Höhenlage Schnee und Frost garantiert sind.
Im Sommer bietet die Landschaft so viel Abwechslung, dass keine Langeweile aufkommen kann. Der Aktivkatalog umfasst unter anderem: Mountainbike fahren, Schwimmen, Tennis, Golf spielen, Reiten, Klettern.

  • Katasterlage in Hinterzarten Breitnau
Bei den Gemeinden Hinterzarten und Breitnau war es mir möglich, Einblick in verschiedene Karten der Gemarkungen Hinterzarten – Breitnau – Birklehof zu bekommen. Auf diesen Karten ist die exponierte Lage des Landerziehungsheims Birklehof zu erkennen.
Im Laufe der Zeit sind das Gebiet des Birklehofs und auch die umliegenden Gemeinden stärker bebaut worden.
Die Infrastruktur um das Schulgelände ist in mehreren Schritten stark verändert worden.
Um den naturbezogenen Charakter des Landerziehungsheims noch einmal zu verdeutlichen, habe ich zwei Karten des Gebäudebestands der Jahre 1894 und 2004 miteinander verglichen.
Auf der Karte -1-153 ist zu erkennen, dass der Birklehof das erste Gebäude auf dem heutigen Gelände Birklehof ist. Dieser Bauernhof war das einzige Gebäude auf dem Gründstück, umgeben von Wiesen, und in ca. 300-400 Metern Entfernung verlief die Straße, die damals eine Breite von weniger als vier Metern hatte.
Es ist zu erkennen, dass das Gebiet nur von einigen wenigen Bauerhöfen umgeben ist.
Bis zu dem Zeitpunkt, als Hahn sich entschloss, das Haupthaus und das dazu gehörige Grundstück zu kaufen, sind noch vereinzelte Baumaßnahmen durchgeführt worden, doch es ist zu erkennen, wie ruhig und naturbelassen das Birklehofgelände war.
Auf der Karte -2-154 ist in etwa der gleiche Ausschnitt des Gebietes vergrößert worden um deutlich zu machen, wie sich die Umgebung der Schule seit der Gründung verändert hat.
Die Schule selber hat sich wie oben beschrieben enorm vergrößert, doch auch das Umfeld hat sich verändert. Der Verlauf der Bundesstraße 31 wurde in den Jahren mehrere Male verlegt und ging teilweise direkt an der Einfahrt des Haupthauses vorbei. Heute verläuft sie ca. 150 Meter entfernt von der Schule hinter einem Sicht- und Schalldamm.
Die Dörfer Hinterzarten und Breitnau sind in den letzten 100 Jahren auch merklich gewachsen. Der Birklehof hat aber nach wie vor seine Insellage zwischen den beiden Gemeinden beibehalten. Durch das großzügige Gelände und den Straßenverlauf ist der Schule dieser Status erhalten geblieben.

  • Architektur
Veränderungen und Umgestaltungen gab es auch in der Architektur.
Um Auskünfte über die Architektur am Birklehof zu erhalten, habe ich Dipl. Ing. (FH) Hermann Ganter befragt. Herr Ganter hat in den letzten Jahren die meisten baulichen Maßnahmen an der Schule Birklehof durchgeführt.
Die Architektur scheint auf den ersten Blick nicht im direkten Zusammenhang mit der Überprüfung der Aktualität zu stehen; doch betrachtet man die baugeschichtliche Entwicklung, ist zu erkennen, dass die Konzepte zu keiner Zeit realisierbar gewesen wären, hätte nicht auch der äußere Rahmen, also die Architektur des Komplexes Birklehof die pädagogischen Leitlinien wider gespiegelt.
Im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Landerziehungsheimen ist der Birklehof nicht streng geometrisch auf eine Achse ausgerichtet und nach außen hin weitestgehend abgeschlossen. Vielmehr hat er die einladende, vermittelnde Form des Halbkreises, wobei sich das Haupthaus, leicht erhöht, in der Mitte der Geraden befindet.155
So fand man auch im übertragenen pädagogischen Anspruch des Heimes einen gelungenen Kompromiss zwischen Übersicht und Kontrolle einerseits, und sozialem, gerechten Miteinander andererseits.
Die Grenzen des Internates sind nicht, wie es zum Beispiel in Salem der Fall ist, durch die Gebäude an sich definiert, sondern lediglich durch kleinere Strassen
vor allem aber durch natürlichen Wechsel der Landschaft gegeben. Diese lockere Festlegung vermittelt dem Schüler das Gefühl von Souveränität und Freiheit bezüglich seiner Umgebung. Die eigentliche Isolierung und gewollte Autarkie des Heimes ist dadurch gewährleistet, und doch ist das nächste Dorf, das nur durch Felder getrennt liegt, nicht weit entfernt.
Die Wohnhäuser der Schüler befinden sich am Rande des Halbkreises, sie haben also
alle denselben Radius und somit die gleiche Wegstrecke zum Haupthaus. In der Mitte des Geländes befindet sich der allgemein genutzte Raum in Form von parkähnlichen Wiesen und Hügeln. Dieser planerische Aufbau steht im kausalen Zusammenhang zu der in anderen Kapiteln erklärten pädagogischen Philosophie des Landerziehungsheimes.
Das schwarzwalduntypische Haupthaus, das mehr dem Stil eines englischen Landgutes ähnlich ist, lenkte erst den Blick Kurt Hahns auf den Birklehof. Man suchte bewusst nach Besitztümern, die in auffällig geprägten Landschaften gelegen waren.
Auf dem Gelände stehen verschiedene Gebäudearten, die zum größten Teil mehrere Funktionen in einem Haus verbinden. So sind viele Wohnhäuser auch gleichzeitig Unterrichtsgebäude. Eine strikte Trenung zwischen Schule und Leben außerhalb der Schule ist so nicht möglich.
Der Birklehof ist weitgehend unabhängig von anderen Institutionen, es gibt eine eigene Sporthalle, eine eigene Großküche, eine Wäscherei, verschiedene Werkstätten, eine schulinterne Feuerwehr, einen Konzertsaal, usw.
Die Schule hat so den Charakter einer eigenen kleinen Gemeinde, die sich ohne äußere Einflüsse versorgen kann.
Das Zentrum der Schule ist das Haupthaus, in dem auch der Schulleiter wohnt, außerdem sind hier das Lehrerzimmer, die Bibliothek, der Turmkeller156, Internatszimmer und Unterrichtsräume untergebracht.
Die ursprüngliche, landwirtschaftliche Nutzung ist heute immer noch zu erkennen, da Bauern aus den umliegenden Höfen ihr Vieh auf den Weiden des Birklehofs grasen lassen.
Diese Faktoren schaffen ein harmonisches, ländliches Bild, das eine angenehme und ruhige Lernsituation für die Schüler möglich macht.
Bereits bei der Errichtung des Haupthauses wurde ein Gartenarchitekt zu Rate gezogen, um ein einheitliches Bild zu schaffen.
Die Ideen von Lietz, Hahn und auch die heutigen Vorstellungen von einer Erziehung in einem Schonraum fernab der Städte scheint somit heute am Birklehof immer noch realisierbar, zumal es im Vergleich zu anderen Internaten am Birklehof nicht gestattet ist, sich jederzeit aus der Schulumgebung zu entfernen, schon gar nicht mit dem Auto.


Fußnoten:

119 „Externe“ wird im Folgenden als Kurzform von „externe Schüler“ verwendet.

120 „Altbirklehofer“ Schüler die den Birklehof besucht haben, ihn heute aber nicht mehr besuchen.

121 Vgl. Anhang, Abbildung -5-

122 Vgl. Anhang, Abbildung -6-

123 Siehe 5.7

124 Spiegel, 04.06.04

125 Vgl. www.birklehof.de

126 Vgl. www.spiegel.de/archiv, 13.07.04 Interview mit Schulreformerin Enja Riegel

127 Vgl. Spiegel, Nr. 36, 30.08.04 „Frühe Kampf ums Dasein“

128 Vgl. Spiegel, Nr. 36, 30.08.04 „Frühe Kampf ums Dasein“

129 Interview mit Wiebke Matthei, 03.09.04

130 www.birklehof.de Christian Petry

131 www.birklehof.de Christian Petry

132 www.spiegel.de/archiv, 13.07.04 Interview mit Schulreformerin Enja Riegel

133 www.birklehof.de Christian Petry

134 www.birklehof.de Christian Petry

135 Süddeutsche Zeitung, 29. März 2004

136 Süddeutsche Zeitung, 29.März 2004

137 Süddeutsche Zeitung, 29.März 2004

138 Vgl. Anhang, Abbildung -7-

139 Tagesspiegel, Hartmut von Hentig, 24.12.2001

140 Interview mit Wiebke Matthei, 03.09.04

141 http://www.ganztagsschulen.org/_downloads/pisa-vergleichsstudie.pdf

142 http://www.ganztagsschulen.org/_downloads/pisa-vergleichsstudie.pdf

143 www.spd-bildungsserver.de

144 www.ganztagsschulen.org/_downloads/pisa-vergleichsstudie.pdf

145 Wirtschafts Woche, 2002

146 www.spiegel.de/archiv

147 Film: Der Preis der Bildung, 2003

148 Z.B. Kinder-Fernsehsendung: „Willi wills wissen“, am 21.08.04 im ZDF über das Leben am Schloss Salem. Im Sommer 2003 wurde (mit meiner Beteiligung) am Birklehof ein Fotoroman für die Jugendzeitschrift „YAM!“ erstellt.

149 Wirtschafts Woche, 21.11.2002

150 Vgl. Wirtschafts Woche, 21.11.2002

151 Hinterzarten Breitnau Tourismus GmbH

152 www.hinterzarten.de

153 Vgl. Anlagen, Abbildung -8-

154 Vgl. Anlagen, Abbildung -9-

155 Vgl. Anlagen, Abbildung -10-

156 Der Turmkeller ist die Schülerdisco des Birklehofs.

Birklehof


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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Meine Vorgehensweise
1.3 Quellenlage

2. Landerziehungsheime & Reformpädagogen
2.1 Die Ursprünge der Landerziehungsheimbewegung
2.1.1 Ursprünge der Landerziehungsheime in England
2.2 Geschichte der Landerziehungsheime in Deutschland
2.2.1 HermanLietz
2.3 Reformpädagogen der Landerziehungsheimbewegung
2.3.1 Kurt Hahn
2.3.2 Georg Picht

3. Die Geschichte und Konzeption des Birklehofs
3.1 Der Birklehof von1932 bis 1945
3.1.1 Aufnahmekriterien für Schüler
3.1.2 Schülerschaft
3.1.3 Lehrer Erzieher
3.1.4 Pädagogisch-didaktische Grundkonzeption und Schulalltag
3.1.5 Schulregeln
3.1.6 Unterricht und Sport
3.1.7 Musik und Veranstaltungen
3.2 Der Birklehof im zweiten Weltkrieg und nach 1945
3.3 Der Birklehof von 1945 bis heute

4 Überprüfung der Aktualität in Bezug auf die gegenwärtige Situation am Birklehof
4.1 Schülerschaft
4.2 Bewertung der Belegungszahlen der LEH, im Besonderen des Birklehofs
4.3 Leben und lernen heute am Birklehof
4.4 Das Internat
4.4.1 Arbeitsgemeinschaften und Dienste
4.4.2 Tagesablauf eines Internatsschülers
4.4.3 Regeln im Internatsleben
4.4.4 Leben auf Zimmern, Flügeln und Gängen
4.5 Lernen am Birklehof
4.5.1 Lehrer – Mentoren – Hauserwachsene
4.5.2 Musik
4.5.3 Zusammenspiel von körperlicher und geistiger Arbeit
4.6 Neue Medien

5 Aktuelle Aspekte der Landerziehungsheimbe- wegung
5.1 Befragung externer Schüler und ehemaliger externer Schüler
5.1.1 Auswertung der Ergebnisse der Befragung der externen Schüler und Altbirklehofer
5.1.2 Bewertung der Befragung
5.2 Auswirkungen von Pisa und eine Einschätzung des Birklehofs in Bezug auf Pisa
5.3 Mögliche Parallelen zwischen dem skandinavischen Modell und der Methodik am Birklehof.
5.3.1 Aktuelle Diskussion über Ganztagsschulen
5.4 Gründe, die Kinder damals wie heute dazu bewegen ein Internat zu besuchen
5.5 Der äußere Rahmen des Birklehofs

6 Ergebnisse und Ausblicke
6.1 Der Birklehof in der Tradition
6.2 Diskussion der Hauptergebnisse und Schlussbetrachtung
6.3 Persönliche Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis
Sekundärliteratur
Internetquellen
Zeitschriftenaufsätze
Filme
Interviews

8 Anhang