Erich Weniger und seine Präsidentschaft beim Weltbund

Von 1931 bis 1933 war Erich Weniger Gründungs-Präsident der deutschen Sektion der New Education Fellowship, des Weltbundes für Erneuerung der Erziehung. Nach dem 1. Weltkrieg gründete sich die Fellowship um einen Grundgedanken möglichst nachhaltig in der ‚Neuen Erziehung‘ zu Verankern: Die jungen Menschen sollten im Geist der Völkerverständigung erzogen werden. Wenn – so war das Kalkül – sich die Völker besser kennen lernten, wenn über die Grenzen hinweg Bekanntschaften und Freundschaften geschlossen würden, so würden die Chancen auf einen neuen Weltkrieg drastisch sinken. Für ‚die da Oben‘ würden es schwieriger werden eine Feindschaft zwischen Völkern so aufzubauen, herbeizureden, zu steuern, dass nur noch ein Waffengang entscheiden könne. Die ‚Erzfeindschaften‘ mit Franzosen und Russen: „Jeder Stoss ein Franzos‘, jeder Schuss ein Russ'“ sollten dadurch begraben werden, dass Franzosen, Russen, Deutsche, Engländer, … auf Grund von persönlichen Verbindungen – von Mensch zu Mensch – zu Menschen anderer Nationalitäten durch solche dumm-dreisten Sprüche nicht mehr beeindruckt werden würden. Einen Freund aus Frankreich oder Russland würde man nicht mehr mit einem ‚freudigen‘ Stoss hinmetzeln oder mit ‚Begeisterung‘ abknallen wollen und können.

Der zweite Weltkrieg zeigte, dass die Menschen in Europa noch nicht immun gegen solche Überlegungen ihrer Volkslenker waren.

Nach dem 2. Weltkrieg haben Konrad Adenauer und Charles de Gaulle diesen Gedanken aufgegriffen und zur Chefsache gemacht. Die Verständigung zwischen den Menschen beider Völker, zwischen Deutschen und Franzosen die sich in beiden Kriegen erbittert zerfleischten, wurde Realität. In aufwendigen Programmen wurden gemeinsam Kriegsgräber gepflegt, Schüleraustausch durchgeführt, wirtschaftliche Beziehungen geknüpft. Die Aktivitäten zeigten großen Erfolg. Heute sieht in unseren Nachbarn, den Menschen in Frankreich niemand mehr den Erzfeind.

Es soll nun nicht die Geschichte der Völkerverständigung aufgearbeitet werden, sondern der Frage nachgegangen werden, warum eine so aufgestellte Vereinigung wie die Fellowship in Deutschland ausgerechnet einen Menschen zum Präsidenten gekürt haben, für den der erste Weltkrieg alles in Allem ein ’schönes‘ Erlebnis gewesen ist, das auch nicht umsonst gewesen sein sollte. Einen Menschen, der diesen Grundgedanken der Fellowship für sich nicht nachvollzogen hat, der als ‚Militärpädagoge‘ auch nach dem 2. Weltkrieg für die Wiedereinführung einer Streitmacht in Deutschland das Wort geredet hat.

All diese Äußerungen von Erich Weniger sind bei Hein Retter schon 1988 nachzulesen. Sein Beitrag zu Erich Weniger steht daher hier im Blog, in dem er einige Reflexionen zum Thema Erich Weniger und die Militärpädagogik bei einem Erich-Weniger-Symposium in Gifhorn wiedergibt. In diesem Beitrag sind auch die Äußerungen von Erich Weniger nach dem 2. Weltkrieg aufgelistet.

Es hat lange Jahre gedauert, bis der Weltbund für Erneuerung der Erziehung sich dazu durchgerungen hat, sich mit dem Beitrag von Hein Retter und weiteren Forschungsergbnissen zu Erich Weniger auseinanderzusetzen. Hein Retter selbst hat auch zum Demokratieverständnis der damaligen Zeit Stellung genommen. Es müssten hier aber auch Beiträge stehen, die weitere Begriffe beleuchten: Nation, Krieg, Soldatentum, …

Hier können Sie nun diese Gedanken von Hein Retter selbst nachlesen – sie stehen auch auf auf der Seite der TU Braunschweig als zur Verfügung Hein Retter TU Braunschweig >> Downloadtexte >> Punkt 3: REFORMPÄDAGOGIK, DIKTATUR, DEMOKRATIE Aufsatz 1: Reformpädagogik und Demokratiebewusstsein Weimarer Verfassung und Antidemokratismusdiskussion.

Es soll nicht Erich Weniger reingewaschen oder in Schutz genommen werden. Es geht auch nicht um einen aktuellen ‚Persilschein‘, um eine Rechtfertigung seiner Position. Es ist einfach nur der Versuch mit den Fakten die Erich Weniger mit seinen Äußerungen und seiner Präsidentschaft beim Weltbundes 1931 geschaffen hat, heute in der deutschen Sektion der Fellowship, im Weltbund im Vorstand tätig zu sein.

Ebenso findet sich in diesem Blog auch ein Lebenslauf von Erich Weniger, gefunden auf dem Server der niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen im Nachlass von Erich Weniger.

Zum Forschungsbericht der Johann Wolfgang Goethe-Universität, von Benjamin Ortmeyer (2008): Erich Weniger und die NS-Zeit, Frankfurt/M., wurde ein Link gesetzt.

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