Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik

Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik
Der Beginn eines notwendigen Dialogs
Herausgegeben von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich – 1990

Erziehungswissenschaft und Waldorfpädagogik Der Beginn eines notwendigen Dialogs Herausgegeben von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich

Michael Brater (Prof. Dr. Alaunushochschule Alfter) hat schon 2013 in seinem Beitrag darauf aufmerksam gemacht, dass der ‚Beginn eines notwendigen Dialogs‘ über die Waldorfpädagogik – angestoßen von Fritz Bohnsack (Prof. em. Uni Essen) und Ernst-Michael Kranich (im Vorstand des Bundes der Waldorfschulen) – dass sie in der erziehungswissenschaftlichen Diskussion trotz vereinzelter Versuche einer gegenseitigen Annäherung (z. B. Bauer & Schneider, 2005; Bohnsack und Kranich, 1990; Paschen, 2010) bis dato so gut wie keine Rolle spielt.

Im Sommersemester 1986 fand an der Hochschule der Künste in Berlin (West) eine Ringvorlesung statt. Titel war ‚Pro und Contra der Waldorfpädagogik – Akademische Pädagogik in der Auseinandersetzung mit der Rudolf-Steiner-Pädagogik‘ – als Buch erschienen 1987, herausgegeben von Otto Hansmann (apl. Prof. em. Dr. Uni Bayreuth). (Ein Leser bei einem großen Online-Buchverkauf macht seiner Enttäuschung darüber Luft, dass es kein leicht lesbares Buch zur Waldorfpädagogik sei, es sei vielmehr ein Konferenzband zu einer Ringvorlesung.)

Fritz Bohnsack stellt fest: „Die Waldorfschule hat eine 70-jährige Geschichte und Bewährung hinter sich. Sie ist heute gefragter denn je zuvor, was die – vom Elternwunsch diktierte – schnelle Folge der Neugründungen erklärt. Sie bietet Alternativen zur Regelschule, die sie für viele Eltern (…) attraktiv machen. Daran sind nicht nur die von vielen Kritikern seit langem beklagten, aber offenbar schwer zu korrigierenden, Mängel der Regelschule schuld: es sind positive pädagogische Qualitäten der Waldorfschule, die aufgeklärte Nicht-Anthroposophen bewegen, ihre Kinder dieser Schule anzuvertrauen (Bohnsack, in Bohnsack und Kranich, 1990, S. 41).

Harm Paschen (Prof. em. Uni Bielefeld) vertritt die Auffassung, dass die Waldorfschule auf Grund ihrer langen Erfahrung in Lehre und Forschung angemessen berücksichtigt werden müsste. Sie sei ein aktuelles Beispiel für eine heute gelebte ’spirituell vertiefte Pädagogik‘. Sie müsste als eine Herausforderung für die wissenschaftliche Pädagogik gelten, insbesondere in Bezug auf die Sozialgestalt von pädagogischen Institutionen wie Schule oder Universität, die Vorstellungen des Verhältnisses von Theorie und Praxis und die geistige Orientierung von Entwicklung, Bildung, Didaktik und Methodik und müsste als Anregung verstanden werden, zu deren Wahrnehmung und Erforschung angemessene Methoden zu entwickeln. (Vgl. Harm Paschen in Bohnsack/Kranich 1990, S. 60)

Der Band von Fritz Bohnsack und Ernst-Michael Kranich ist das Ergebnis eines mehrjährigen Gedanken- und Erfahrungsaustausches von ’namhaften Erziehungswissenschaftlern‘ und Waldorfpädagogen. Man wollte sich besser verstehen lernen und auf diese Weise staatliche Regelschulen und Waldorfschulen durch konstruktive Kritik in ihrer Schulentwicklung zu fördern.
Gleichzeitig hatte man die gemeinsame Sorge, dass die Kritik an der immer populärer werdenden Waldorfschule immer schärfer wurde und teilweise unsachliche und denunziatorische Züge annahm. (Bohnsack/Kranich 3. Auflage 1994, S. 7)

Es entstanden aus der Initiative von Fritz Bohnsack die Veröffentlichungen von

Horst Ph. Bauer (Prof. Dr. Alaunushochschule Alfter) und Peter Schneider (Prof em. Dr. Uni Paderborn) 2005:
Kulturwissenschaftliche Beiträge der Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft: Waldorfpädagogik: Perspektiven eines wissenschaftlichen Dialoges
Weinheim

und von

Harm Paschen (Herausgeber) 2010
Erziehungswissenschaftliche Zugänge zur Waldorfpädagogik
Heidelberg